Fasern · Tierfasern
Yak
Die Wärme von Kaschmir mit einem Charakter, der zugleich rustikal und edel ist. Sie stammt aus der weichen Unterwolle des Hochgebirgs-Yaks, hat tiefe Naturfarben und lässt sich wie eine gute Wolle verarbeiten: weich, warm und überraschend gutmütig.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Für die nomadischen Hirten des tibetischen Hochlands und der mongolischen Steppen ist das Yak seit jeher Last-, Milch- und Fasertier. Der Schatz ist nicht das lange, raue Deckhaar, sondern die sehr feine Unterwolle, die das Tier bildet, um Winter mit extremen Temperaturen zu überstehen, Khullu genannt. Lange Zeit eine Faser für den Hausgebrauch und die Selbstversorgung, wird sie heute von Kooperativen im Himalaya und in der Mongolei als ethische, lokale und rückverfolgbare Alternative zu Kaschmir aufgewertet.
Wie das Garn entsteht
Beim Fellwechsel im Frühjahr wird die Unterwolle von Hand ausgekämmt oder gesammelt, nie zusammen mit dem groben Haar geschoren. Darauf folgt das Enthaaren (De-hairing), dieselbe mechanische Trennung wie bei Kaschmir, die die rauen Grannenhaare entfernt und nur die feine Flocke übrig lässt. Das Ergebnis ist eine kurze, weiche Faser, die sich vor allem für weiche, voluminöse Streichgarne eignet.
Warum sie geschätzt wird
Sie bietet Wärme wie Kaschmir zu geringeren Kosten und mit geringerer Umweltbelastung. Die Faser ist fein, aber robuster als der Durchschnitt der Edelfasern gleicher Feinheit, und dadurch weniger empfindlich, als ihre Weichheit vermuten lässt. Hinzu kommt der Wert einer kurzen Lieferkette aus dem Hochgebirge mit geringer Umweltbelastung, die sie für aufmerksame Strickerinnen und Stricker immer begehrter macht.
Färben
Als Proteinfaser nimmt sie Säurefarbstoffe gut und mit guter Echtheit an. Ihr typischstes Merkmal ist jedoch die Naturfarbe: warme Brauntöne, tiefe Grau- und Anthrazittöne, die man selten überdecken möchte. Die dunkle Pigmentierung schränkt helle, leuchtende Farben ein, deshalb kommt Yak gerade in seinen ursprünglichen Erdtönen am besten zur Geltung.
Pflege
Sie will so behutsam behandelt werden wie Kaschmir: Handwäsche oder Wollprogramm in kaltem Wasser, Neutralwaschmittel und liegend trocknen, damit sich das Kleidungsstück nicht verzieht. Die Faser hat Schuppen und neigt daher bei Wärme, Feuchtigkeit und Reibung zum Verfilzen. Pilling ist gering, tritt bei sehr weichen Kleidungsstücken aber auf und lässt sich mit einem passenden Kamm beheben.
Lebensende
Sie ist eine natürliche Proteinfaser und daher am Ende ihres Lebens biologisch abbaubar und kompostierbar, sofern sie nicht mit Synthetik gemischt ist. Reste und abgetragene Kleidungsstücke lassen sich zusammen mit anderen Edelfasern mechanisch recyceln und zu neuem Streichgarn aufbereiten.
Woran man sie erkennt
| Griff | Weich, warm und trocken im Griff, etwas weniger seidig als Kaschmir, aber voller und kräftiger. Sie ist nicht rutschig: Sie vermittelt ein umhüllendes, leicht rustikales Gefühl. |
|---|---|
| Aussehen | Matt, mit warmen, tiefen Naturfarben (Braun, Grau, Anthrazit) und einem weichen, dezenten Flaum. Der Glanz ist minimal, der Charakter der einer edlen, aber schlichten Faser. |
| Verhalten | Sehr warm und leicht, mit mittlerer Elastizität: Sie kehrt ordentlich in Form zurück, ohne das Zurückfedern von Merino. Sie knittert wenig und ist für eine so feine Faser recht widerstandsfähig. |
| Brennprobe | Typisch für Protein: brennt langsam und erlischt von selbst, riecht nach verbranntem Haar und hinterlässt ein schwarzes, bröseliges Kügelchen. |
| Proben zu Hause | Brennprobe: langsame Flamme, erlischt von selbst, bröselige Asche · Dunkle, warme Naturfarbe, die durch Färben schwer zu erreichen ist · Griff ähnlich wie Kaschmir, aber etwas weniger nachgiebig und voller |
| Verwechselbar mit | Kaschmir: sehr ähnliche Feinheit, oft als Mischung Yak/Kaschmir verkauft; im Griff kaum zu unterscheiden · Feine Merinowolle: Yak ist aber weniger elastisch und hat die typische dunkle Naturfarbe |
| Nur im Labor | Yak sicher von Kaschmir zu unterscheiden, erfordert Elektronenmikroskopie im Labor (ISO 17751), die Schuppenstruktur und Pigmentierung erfasst. |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Mittel | Forschung |
| Ausleiern | Niedrig | Forschung |
| Flaum | Mittel | Forschung |
| Filzneigung | Mittel | Forschung |
| Feinheit (µm) | 16–20 | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 16,0 | Forschung |
| typisches Einlaufen (%) | 0–8 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | 25–45 | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Geeignet für
warme, leichte Lagen · Mischungen mit Merino oder Kaschmir · Kleidungsstücke in tiefen Naturfarben · weiche Winterstrickwaren
Weniger geeignet für
Kleidungsstücke mit hohem Abrieb (Bündchen von Arbeitsjacken) · Rippen, die wie bei Merino zurückfedern sollen · helle, leuchtende Pastelltöne