Fasern · Tierfasern
Klassische Wolle / Landschafwolle
Die ehrliche Wolle ohne Schnörkel: elastisch, robust und warm, ein wenig lebhaft auf der Haut. Sie hat den Charakter ihrer Rasse und trägt strukturierte Kleidungsstücke bestens, verfilzt aber im Nu, also Vorsicht beim Waschen.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Es ist die Wolle des „Terroirs“: Vor den einheitlichen Industriegarnen lieferte jede Herde eine Faser mit eigener Feinheit, eigenem Glanz und eigener Farbe, gebunden an Rasse und Weide. Aus dieser Vielfalt stammen die historischen Stoffe der Britischen Inseln, vom Tweed bis zu den Inselpullovern, und das Erbe der einheimischen italienischen Rassen, die heute zum Teil durch Schutzprojekte und kurze Lieferketten vor dem Aussterben bewahrt werden.
Wie das Garn entsteht
Sie stammt aus der Schur des Vlieses und wird oft im Streichgarnverfahren (woolen) verarbeitet, um Volumen, Luft und Charakter der Flocke zu betonen. Viele dieser Wollen sind sortenrein, also nicht gemischt: Der Faden erzählt von einem bestimmten Schaf, statt alles zu einem industriellen Durchschnitt einzuebnen. Wo die Flocke lang und glänzend ist, ergibt das Kämmen glattere, kompaktere und festere Garne.
Warum sie geschätzt wird
Sie zählt durch ihren Charakter, nicht durch extreme Weichheit: Sie gibt Stand, Struktur und eine deutliche Sprungkraft, ideal für Strickstücke, die ihre Form lange halten sollen. Jede Rasse bringt eine eigene Note mit (einen Glanz, eine Naturfarbe, einen rustikalen Zug), und wer sie wählt, unterstützt die Artenvielfalt und die kleinen Betriebe, die sie verarbeiten.
Färben
Sehr gut färbbar: Das Keratin bindet Säurefarbstoffe fest, mit vollen und echten Ergebnissen. Viele dieser Wollen haben jedoch wunderschöne Naturfarben (Grau, Braun, Havanna, Schwarz) und werden gern ungefärbt verwendet, gerade um die Farbpalette der Rasse auszuspielen.
Pflege
Robust, aber empfindlich gegenüber Wasser: Bewegung, Wärme und Feuchtigkeit lassen sie schnell verfilzen, oft schneller als Merino. Von Hand oder im Wollprogramm in kaltem Wasser mit mildem Waschmittel waschen und liegend trocknen, damit sie sich nicht verzieht. Dieselbe Neigung zum Walken wird zum Vorzug, wenn das Verfilzen gewollt ist, beim Filzen.
Lebensende
Biologisch abbaubar und kompostierbar, wenn sie nicht superwash-ausgerüstet ist. Sie wird mechanisch recycelt: Aus wiederaufbereitetem Streichgarn entsteht neue Faser, und Prato ist dafür die historische Hauptstadt. Grobe Wollen, die sich für feine Strickwaren wenig eignen, finden ein zweites Leben als Füllmaterial, Filz oder Dämmstoff.
Woran man sie erkennt
| Griff | Je nach Rasse sehr unterschiedlich: von weichen, sanften Fasern (Bluefaced Leicester, Shetland) bis zu lebhaften, rauen Teppichwollen. Im Schnitt bleibt sie rustikaler und elastischer als Merino, warm im Griff und mit etwas Biss unter den Fingern. |
|---|---|
| Aussehen | Kräuselung (Crimp) und Glanz unterscheiden sich stark von Rasse zu Rasse: Glanzwollen (luster wools) sind lang und glänzend, andere matt und voluminös. Häufig sind ungefärbte Naturfarben, typisch für die Herkunftsherde. |
| Verhalten | Kehrt nach dem Dehnen in Form zurück und hält die Wärme gut; lange, glänzende Fasern ergeben Gestricke mit mehr Stand und weniger Pilling, kurze, kardierte Fasern mehr Luft und Weichheit. |
| Brennprobe | Typisch für Protein: brennt langsam und erlischt von selbst, riecht nach verbranntem Haar und hinterlässt ein schwarzes, bröseliges Kügelchen. |
| Proben zu Hause | Brennprobe: langsame Flamme, erlischt von selbst, bröselige Asche · Dehnprobe im nassen Zustand: Wolle wird schwächer, Pflanzenfasern nicht · Naturfarbe und Griff des Fadens als Hinweis auf die Rasse |
| Verwechselbar mit | Merino: Landschafwollen sind in der Regel gröber und weniger weich · Polyacryl als Imitat: schmilzt aber in der Flamme zu einer harten Perle und fühlt sich kalt an · Verschiedene Rassen untereinander: mit bloßem Auge schwer zu unterscheiden |
| Nur im Labor | Die Rasse sicher zu bestimmen und die Feinheit in Mikron zu messen, erfordert Mikroskopie im Labor (ISO 17751), manchmal ergänzt durch eine genetische Analyse: Die Werte schwanken von Rasse zu Rasse sehr stark. |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Hoch (strukturell) | Forschung |
| Ausleiern | Niedrig | Forschung |
| Flaum | Niedrig | Forschung |
| Filzneigung | Sehr hoch | Forschung |
| Feinheit (µm) | 24–38 | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 17,0 | iso |
| typisches Einlaufen (%) | 0–12 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | 60–200 | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Geeignet für
rustikale, strukturierte Strickwaren · Tweed und Jacken · Kleidungsstücke, die ihre Form halten sollen · gewolltes Filzen · Aufwertung einheimischer Rassen
Weniger geeignet für
direkter Kontakt mit empfindlicher Haut (die gröberen kratzen) · fließender, kühler Fall (besser Seide oder Leinen) · Kleidungsstücke, die oft in der Maschine gewaschen werden