Fasern · Tierfasern
BFL-Wolle (Bluefaced)
Eine glänzende, strapazierfähige englische Wolle, elastisch und angenehm zu verarbeiten. Ein sehr guter Allrounder: Sie verbindet die Kernigkeit einer Langwolle mit der Weichheit einer feinen Faser, und ihre Filzneigung ist leichter zu beherrschen als die von Merino.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Die Bluefaced Leicester entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in den Hügeln um Hexham in Northumberland als Weiterentwicklung der Leicester-Langwollschafe, die Robert Bakewell im 18. Jahrhundert gezüchtet hatte. Der Name kommt von der dunklen Gesichtshaut, die unter dem weißen Haar des Kopfes durchscheint. Historisch als „Vaterrasse“ für kommerzielle Kreuzungen gehalten, hat sie die britische Handstrickerei erobert und ist heute eine der beliebtesten Rassewollen bei Handspinnerinnen und Handspinnern.
Wie das Garn entsteht
Sie stammt aus der jährlichen Schur des Vlieses. Die Flocke hat enge, klar ausgeprägte Locken, die sogenannten „purl locks“, die sich vor allem zum Kämmen eignen: Daraus entstehen glatte, glänzende und kompakte Kammgarne (worsted). Durch Kardieren entstehen dagegen weichere, voluminösere Streichgarne (woolen), die den Glanz etwas dämpfen, die Wärme aber betonen.
Warum sie geschätzt wird
Sie ist ein seltener Treffpunkt zweier Welten: Sie hat die Kernigkeit, den Glanz und die Strapazierfähigkeit der Langwollen, aber eine Feinheit nahe an der von Bekleidungswollen, sodass sie angenehm auf der Haut bleibt. Die elastische Locke gibt dem Gestrick eine gute Sprungkraft, und die glänzende Oberfläche lässt Reliefmuster und Zöpfe hervortreten.
Färben
Hervorragend. Wie bei allen Wollen bindet das Keratin Säurefarbstoffe kräftig und gleichmäßig, und der natürliche Glanz der Faser macht die Farben besonders lebhaft und tief. Sie nimmt sowohl die historischen Naturfarbstoffe als auch synthetische Säurefarbstoffe gut an, mit brillanten, waschechten Ergebnissen.
Pflege
Als Kammgarn mit mittlerer Drehung ist sie gut pillingbeständig. Von Hand oder im Wollprogramm in kaltem Wasser mit mildem Waschmittel waschen, dann liegend trocknen, damit sie sich nicht verzieht. Sie verfilzt bei Bewegung in warmem Wasser, aber mit mehr Spielraum als Merino: Die längere, glänzendere Faser verzeiht ein paar Handgriffe mehr, bevor sie verfilzt.
Lebensende
Biologisch abbaubar und kompostierbar, wenn sie nicht superwash-ausgerüstet ist. Sie lässt sich zusammen mit anderen Wollen mechanisch recyceln, und die Robustheit des Fadens macht sie geeignet, mehrmals aufgeribbelt und neu verstrickt zu werden, bevor ihr Kreislauf endet.
Woran man sie erkennt
| Griff | Weich und elastisch, wegen des Glanzes etwas kühler und glatter im Griff als Merino. Angenehm auf der Haut, ohne das Kratzen grober Langwollen. |
|---|---|
| Aussehen | Halbglänzend, mit seidigem Glanz und feiner, gleichmäßiger Kräuselung. Der Faden reflektiert das Licht und bringt das Relief des Maschenbilds zur Geltung. |
| Verhalten | Kehrt nach dem Dehnen in Form zurück, knittert wenig und ist gut abriebfest; sie hält Wärme, isoliert aber weniger stark als bauschigere Streichgarnwollen. |
| Brennprobe | Typisch für Protein: brennt langsam und erlischt von selbst, riecht nach verbranntem Haar und hinterlässt ein schwarzes, bröseliges Kügelchen. |
| Proben zu Hause | Brennprobe: langsame Flamme, erlischt von selbst, bröselige Asche · Dehnprobe im nassen Zustand: Wolle wird schwächer, Pflanzenfasern nicht · Elastizitätsprobe: dehnen und loslassen, die Faser kehrt in Form zurück |
| Verwechselbar mit | Glänzendes Polyacryl als Imitat: schmilzt aber in der Flamme zu einer harten Perle und fühlt sich kalt an · Andere glänzende Rassewollen wie Wensleydale oder Teeswater, die aber gröber sind und eine noch längere Stapellänge haben |
| Nur im Labor | Bluefaced Leicester sicher von anderen Wollen zu unterscheiden und ihre Feinheit in Mikron genau zu messen, erfordert Mikroskopie im Labor (ISO 17751). |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Hoch | Forschung |
| Ausleiern | Niedrig | Forschung |
| Flaum | Niedrig | Forschung |
| Filzneigung | Mittel | Forschung |
| Feinheit (µm) | 24–28 | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 17,0 | gemessen |
| typisches Einlaufen (%) | 0–10 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | 75–150 | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Geeignet für
elastische Strickwaren · Zöpfe und Reliefmuster · Kleidungsstücke, die lange halten und in Form zurückkehren sollen · Tücher und Kleidungsstücke, die die Farbe zeigen
Weniger geeignet für
fließender, kühler Fall (besser Seide, Leinen oder Baumwolle) · größtmögliche Weichheit für empfindliche Haut (besser feine Merino) · maximaler duftiger Flaum (besser Mohair)