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Fasern · Chemiefasern

Viskose / Rayon

Die Faser, die wie eine Flüssigkeit fällt: glänzend, kühl und sehr fließend, nimmt sie Farbe brillant an und drapiert wunderbar. Dafür hat sie keinerlei Stand und wird im nassen Zustand empfindlich, daher gehört sie dorthin, wo Weichheit und Bewegung gefragt sind, nicht Struktur.

Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

viscose ÖsterreichChinaIndienIndonesien
Holz
Holz

Geschichte

Sie entstand Ende des 19. Jahrhunderts als erster gelungener Versuch einer „Kunstseide“: Europäische Chemiker lernten, Holzcellulose aufzulösen und zu regenerieren, und 1905 ging das Viskoseverfahren in Großbritannien in die industrielle Produktion. Der Handelsname Rayon verbreitete sich in den 1920er-Jahren, als die Faser den Luxus der Seide zu erschwinglichen Kosten für alle zugänglich machte. Heute wird die Produktion von großen europäischen und asiatischen Cellulosekonzernen geführt, mit Varianten im geschlossenen Kreislauf und aus zertifiziertem Holz als sauberere Weiterentwicklung der historischen Chemie.

Wie das Garn entsteht

Sie wird weder geschoren noch geerntet: Sie wird hergestellt. Cellulose, meist aus Holzzellstoff (Buche, Eukalyptus, Kiefer), wird chemisch behandelt, bis eine zähe Lösung entsteht, die Viskose; diese wird durch eine Spinndüse gepresst und in einem Säurebad zu Filament regeneriert. Der Endlosfaden kann unverändert verwendet werden, glänzend und glatt wie Seide, oder zu Spinnfasern geschnitten und wie Baumwolle versponnen werden, für einen matteren, baumwollähnlichen Griff.

Warum sie geschätzt wird

Sie schenkt der Strickerei etwas, das elastische Fasern nicht bieten: einen fließenden, schweren und kühlen Fall, der gerade herabfällt und dem Körper folgt, statt sich aufzubauschen. Sie ist glatt, leuchtend und angenehm kühl auf der Haut, nimmt Feuchtigkeit gut auf und lässt sich mit einer Brillanz färben, die schwer zu erreichen ist. Sie ist die Faser der Bewegung und des fließenden Falls und wird oft anderen Fasern beigemischt, um Glanz und Fall hinzuzufügen.

Färben

Hervorragend, und das ist eine ihrer Stärken. Als reine Cellulose nimmt sie Reaktiv- und Direktfarbstoffe tief auf, mit satten, vollen und sehr leuchtenden Farben dank der glatten, glänzenden Oberfläche des Filaments. Ihre Farbwiedergabe gehört zu den lebhaftesten aller Strickfasern.

Pflege

Sie ist die Faser, die am behutsamsten behandelt werden will. Nass verliert sie einen großen Teil ihrer Festigkeit und längt sich leicht, deshalb in kaltem Wasser von Hand waschen, ohne auszuwringen oder zu verdrehen, und unbedingt liegend trocknen, denn aufgehängt verzieht sie sich und längt sich unter ihrem eigenen Gewicht. Sie knittert leicht und kann bei der ersten Wäsche einlaufen: Vor einem großen Kleidungsstück besser eine Probewäsche einplanen.

Lebensende

Als regenerierte Cellulose ist sie unter geeigneten Bedingungen biologisch abbaubar und kompostierbar, anders als erdölbasierte Synthetikfasern. Der kritische Punkt ist nicht die Faser, sondern die Produktionschemie: Lieferketten mit geschlossenem Kreislauf und Holz aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern verringern den Fußabdruck deutlich, und auf diese sollte man achten.

Woran man sie erkennt

GriffGlatt, rutschig und kühl, bei der ersten Berührung fast kalt wie Seide. Sie liegt schwer zwischen den Fingern und hat keinerlei elastische Spannkraft: Sie sinkt sanft in sich zusammen.
AussehenGlänzend und leuchtend, mit seidigem Schimmer als Endlosfilament, matter und baumwollähnlicher, wenn sie aus Spinnfasern gesponnen ist. Keine Kräuselung, kein Flaum: Die Oberfläche ist sauber und glatt.
VerhaltenSie drapiert fließend wie eine Flüssigkeit, fällt gerade und folgt dem Körper. Nach dem Dehnen kehrt sie nicht in Form zurück, knittert leicht und wird im nassen Zustand schwächer und längt sich deutlich.
BrennprobeTypisch für Cellulose: brennt schnell mit lebhafter Flamme, riecht nach verbranntem Papier oder Holz und hinterlässt leichte, bröselige graue Asche ohne geschmolzene Perle.
Proben zu HauseBrennprobe: schnelle Flamme, Geruch nach verbranntem Papier, bröselige Asche ohne harte Perle · Dehnprobe im nassen Zustand: Nass längt sie sich und gibt stark nach, während tierische Fasern besser standhalten · Fallprobe: fällt senkrecht wie eine Flüssigkeit, ohne elastisches Zurückfedern
Verwechselbar mitSeide, die sie in Glanz und Kühle nachahmt: Seide bleibt aber nass viel fester und riecht in der Brennprobe proteinartig nach verbranntem Haar · Baumwolle und andere Cellulosefasern, mit denen sie das Ergebnis der Brennprobe teilt: Viskose unterscheidet sich durch stärkeren Glanz und fließenderen Fall
Nur im LaborViskose sicher von anderen Cellulosefasern (Baumwolle, Leinen, Lyocell, Modal) zu trennen und ihren Anteil in einer Mischung zu bestimmen, erfordert eine Laboranalyse (Mikroskopie und selektive Löslichkeit, ISO 1833).

Physikalische Daten

EigenschaftWertQuelle
elastische ErholungKeineForschung
AusleiernExtrem (sehr fließend)Forschung
FlaumKeineForschung
FilzneigungKeineForschung
Feinheit (µm)—Forschung
Feuchtigkeitsaufnahme (%)13,0Forschung
typisches Einlaufen (%)3–10Schätzung
Stapellänge (mm)—Forschung

gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität

Für die Berechnung des Gestricks

Reibungskoeffizient (µ)0,3gemessen
Dichte (g/cm³)1,52gemessen
Elastizitätsmodul (GPa)8,5gemessen
spezifische Biegesteifigkeit (dyn·cm²/tex²)0,19gemessen

Geeignet für

Kleidungsstücke mit fließendem, schwerem Fall · weiche Tops und Kleider, die dem Körper folgen · Mischungen für Glanz und Fall · Sommerstrickwaren mit kühlem Griff

Weniger geeignet für

Rippen und Bündchen, die ihre Form halten sollen · strukturierte, formgebende Kleidungsstücke · Projekte, die im nassen Zustand gespannt und beansprucht werden

Zertifizierungen

FSCPEFCOEKO-TEXEU Ecolabel