Fasern · Regeneratfasern
Sojafaser (pflanzliche Seide)
Die „pflanzliche Seide“: weich, glänzend und mit einem fließenden Fall, der über den Körper gleitet. Sie entsteht aus Sojaproteinen, hat sehr wenig Sprungkraft und neigt zum Nachgeben, daher zeigt sie sich am besten in weichen Kleidungsstücken statt in straffen Kanten.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Die Idee, Sojaproteine zu verspinnen, ist alt: In den 1930er- und 1940er-Jahren machte Henry Ford daraus eine Textilfaser und ließ sogar einen Vorführanzug daraus nähen. Die moderne Faser ist jedoch chinesisch: Ende der 1990er-Jahre entwickelt und seit 2000 als „pflanzliches Kaschmir“ vermarktet, nutzt sie die aus Sojakuchen gewonnenen Proteine, also den Rückstand der Öl- und Tofuherstellung, und gibt ihnen als Garn ein zweites Leben.
Wie das Garn entsteht
Sie wird weder geschoren noch geerntet: Sie wird extrudiert. Das Protein wird aus den Sojakuchen isoliert, in einer Lösung aufgelöst, durch eine Spinndüse in ein Koagulationsbad gesponnen und anschließend stabilisiert. Heraus kommt ein Endlosfilament, das als solches verwendet oder zu Spinnfasern geschnitten werden kann, die gekämmt und mit anderen Fasern gemischt werden. Sie ist im Grunde eine regenerierte Faser auf Proteinbasis, kein Faden, der direkt aus der Pflanze gewonnen wird.
Warum sie geschätzt wird
Sie vereint Eigenschaften, die selten zusammenkommen: den Glanz und kühlen Griff der Seide, die Weichheit von Kaschmir und eine sehr gute Feuchtigkeitsaufnahme. Sie ist leicht, atmungsaktiv und sehr angenehm auf der Haut und wird deshalb oft mit Wolle, Baumwolle oder Kaschmir gemischt, um diese leichter zu machen und ihnen Glanz und Fall zu geben.
Färben
Gut. Als Proteinfaser bindet sie wie Wolle und Seide Säurefarbstoffe gut und ergibt tiefe, leuchtende Farben; sie nimmt auch die für Pflanzenfasern verwendeten Reaktivfarbstoffe an. Das Ergebnis ist brillant, doch sehr kräftige Töne sollten vor Licht geschützt werden, weil die Faser mit der Zeit zum Vergilben neigt.
Pflege
Sie will schonend behandelt werden: Handwäsche oder Schonprogramm in kaltem Wasser, Neutralwaschmittel, kein Bleichmittel und kein kräftiges Auswringen. Liegend trocknen, fern von direkter Sonne, damit sie nicht vergilbt. Da sie wenig Sprungkraft hat, längt sie sich, wenn sie nass aufgehängt wird, und geht nicht zurück. Sie verfilzt nicht, kann in weichen Mischungen aber einige Knötchen bilden.
Lebensende
Sie ist biologisch abbaubar, weil sie aus Proteinen besteht: Unter geeigneten Bedingungen zersetzt sie sich, ohne Mikroplastik zu hinterlassen. Mechanisches Recycling ist vor allem bei Garnen aus reiner Soja möglich, während sie sich in Mischungen mit Wolle oder Kaschmir nur schwer trennen lässt. Ihr ökologischer Vorzug liegt von vornherein darin, aus einem zurückgewonnenen Lebensmittelrückstand zu entstehen.
Woran man sie erkennt
| Griff | Sehr weich und kühl, mit seidiger, leicht rutschiger Glätte. Im Griff wärmer als echte Seide und glatter als Baumwolle. |
|---|---|
| Aussehen | Recht glänzend, mit einem weichen, gleichmäßigen Schimmer, der an Seide erinnert; keine sichtbare Kräuselung und praktisch kein Flaum. Die Farbe wirkt voll und leuchtend. |
| Verhalten | Sie fällt fließend und drapiert gut, knittert mäßig, kehrt nach dem Dehnen aber nicht in Form zurück: Ihre geringe Sprungkraft verrät sie. Sie nimmt Feuchtigkeit gut auf und bleibt kühl. |
| Brennprobe | Typisch für Protein, wie Wolle und Seide: brennt langsam, neigt dazu, von selbst zu erlöschen, riecht nach verbranntem Haar oder Federn und hinterlässt dunkle, bröselige Asche ohne harte Perle. |
| Proben zu Hause | Brennprobe: langsame Flamme, erlischt von selbst, Geruch nach verbranntem Haar und bröselige Asche · Elastizitätsprobe: dehnen und loslassen, sie bleibt gelängt, statt in Form zurückzukehren · Griffprobe: kühl, rutschig und glänzend, aber ohne das knirschende Geräusch der Seide |
| Verwechselbar mit | Echte Seide, die sie im Glanz nachahmt, die aber elastischer, kühler und teurer ist · Viskose und Bambusfaser, ebenso glänzend und weich, aber in der Brennprobe wie Cellulose · Milchfaser (Kasein), eine weitere regenerierte Proteinfaser, im Griff kaum zu unterscheiden |
| Nur im Labor | Soja sicher von anderen regenerierten Proteinfasern und von Seide zu unterscheiden, erfordert Mikroskopie und chemische Analyse im Labor (ISO 17751, ISO 1833). |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Niedrig | Forschung |
| Ausleiern | Hoch (fließender Fall) | Forschung |
| Flaum | Niedrig | Forschung |
| Filzneigung | Keine | Forschung |
| Feinheit (µm) | — | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 8,6 | Forschung |
| typisches Einlaufen (%) | 0–5 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | 38–51 | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Geeignet für
fließende Kleidungsstücke mit Fall · Sommershirts und Tops · weiche, glänzende Schals · Mischungen, die Glanz und Weichheit hinzufügen · Kleidungsstücke, die direkt auf der Haut getragen werden
Weniger geeignet für
Rippen und Bündchen, die straff bleiben sollen · stark strukturierte Kleidungsstücke · Kanten, die in Form zurückspringen sollen · dunkle Farben, die starker Sonne ausgesetzt sind