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Fasern · Pflanzenfasern

Sisal / Agave

Die Hartfaser schlechthin: steif, zäh und formgebend, sie kehrt nicht in Form zurück und ist nicht für den Körper gedacht. Man wählt sie, wenn ein Gegenstand seine Form von selbst halten soll, etwa Körbe, Teppiche und feste Taschen.

Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

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Sisal-Agave
Sisal-Agave

Geschichte

Sie ist nach dem Hafen Sisal auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán benannt, von dem aus die ersten Ladungen der aus Agaven gewonnenen Faser verschifft wurden. Von Mittelamerika aus verbreitete sich der Anbau nach Ostafrika, wo Tansania und Kenia im 20. Jahrhundert zu den großen Anbauzentren wurden, und nach Brasilien, heute der weltweit größte Exporteur. Über Generationen war sie die Faser für Seile und Bindegarn in der Landwirtschaft, bevor ihr rustikaler Charakter sie in die Einrichtung und zu Designaccessoires brachte.

Wie das Garn entsteht

Sie wird weder geschoren noch als Flocke geerntet: Sie wird geschnitten. Die fleischigen Agavenblätter werden geerntet und entfasert (dekortiziert), wobei das Fruchtfleisch abgeschabt wird und lange Faserbündel freigelegt werden. Diese werden gewaschen, in der Sonne getrocknet und gebürstet, dann zu Schnüren und groben Garnen gedreht. Es ist eine Verarbeitung für lange, feste Fasern, näher an der Seilerei als an der Feinspinnerei.

Warum sie geschätzt wird

Sie zählt durch das, was Wolle nicht kann: Steifheit und Formhaltung. Sie ist eine der zähesten Naturfasern, gibt unter Last nicht nach und behält die Form, die man ihr gibt, sodass ein Korb offen bleibt und eine Tasche nicht in sich zusammenfällt. Dazu ist sie sehr abrieb- und trittfest, weshalb sie seit jeher die Faser für Teppiche ist.

Färben

Als Cellulosefaser nimmt sie Direkt- und Reaktivfarbstoffe an, doch die harte Oberfläche und der natürliche strohgoldene Farbton dämpfen die Leuchtkraft: Am schönsten wirken Erd-, Natur- und warme Töne. Viele Stücke bleiben sogar in der Rohfarbe, die zu ihrer rustikalen Ästhetik gehört.

Pflege

Sie verträgt keine anhaltende Feuchtigkeit: Bleibt sie nass, kann sie Flecken bekommen, vergilben und schimmeln und baut sich mit der Zeit ab. Sie wird trocken gereinigt, indem man den Staub abbürstet und Flecken abtupft, ohne sie zu durchnässen, und man hält sie von feuchten Räumen fern. Mit dem Gebrauch franst sie an der Oberfläche zu einem leichten Flaum auf, was bei einer so steifen Faser normal ist.

Lebensende

Rein pflanzlich und unbehandelt, ist sie biologisch abbaubar und kompostierbar und kehrt am Ende ihres Lebens ohne Mikroplastik in den Boden zurück. Die Abfälle der Entfaserung werden seit jeher als organisches Material sowie für Papier und Verbundwerkstoffe weiterverwendet.

Woran man sie erkennt

GriffHart, rau und trocken, fast holzig. Kühl und steif im Griff, ohne jede Nachgiebigkeit: Man spürt sie zwischen den Fingern „stehen“, statt weich nachzugeben.
AussehenNatürliche strohgoldene Farbe mit leichtem wachsartigem Glanz. Dicker, kerniger Faden mit rustikalem Aussehen, ohne jede Kräuselung und ohne Flaum.
VerhaltenSie hat keine elastische Rückstellung: Geknickt bleibt sie geknickt, und unter Spannung federt sie nicht zurück. Sie ist steif, zugfest und sehr abriebfest, aber empfindlich gegen wiederholtes Knicken.
BrennprobeTypisch für Cellulose: brennt schnell mit lebhafter Flamme, riecht nach verbranntem Papier oder Gras und hinterlässt leichte graue Asche, die zerbröselt.
Proben zu HauseBrennprobe: schnelle Flamme, Geruch nach verbranntem Papier, bröselige Asche · Steifheitsprobe: Eine Schnur steht von selbst gerade und fällt nicht in sich zusammen · Dehnprobe im nassen Zustand: Die Pflanzenfaser wird nicht schwächer wie die Proteinfaser Wolle
Verwechselbar mitJute und Hanf: ebenfalls harte Pflanzenfasern, aber weicher und weniger steif im Griff · Bast (Raffia): ähnlich in Farbe und Rustikalität, aber ein flaches Band und viel biegsamer
Nur im LaborSisal sicher von anderen harten Pflanzenfasern (Jute, Hanf, Abaca) zu unterscheiden, erfordert Mikroskopie im Labor (ISO 17751) oder eine chemische Faseranalyse (ISO 1833).

Physikalische Daten

EigenschaftWertQuelle
elastische ErholungKeineForschung
AusleiernNiedrigForschung
FlaumKeineForschung
FilzneigungKeineForschung
Feinheit (µm)100–300Forschung
Feuchtigkeitsaufnahme (%)11,0Forschung
typisches Einlaufen (%)0–3Schätzung
Stapellänge (mm)600–1200Forschung

gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität

Geeignet für

Körbe und feste Behälter · Teppiche und Matten · Taschen und formstabile Accessoires · Seile und Schnüre · robuste dekorative Details

Weniger geeignet für

Kleidungsstücke, die direkt auf der Haut getragen werden · elastische Strickwaren und Rippen · weicher Fall · Gegenstände, die weich bleiben sollen