Fasern · Chemiefasern
Algenfaser (Seacell)
Ein mit Braunalgen angereichertes Lyocell: weich, kühl und mit einem fließenden Fall, der gerade herabhängt. Wenig Elastizität und kaum Sprungkraft, deshalb ist es die richtige Faser für leichte, fließende Kleidungsstücke, nicht für Rippen, die zurückfedern sollen.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Sie entstand in Deutschland Anfang der 2000er-Jahre, entwickelt von der smartfiber AG, die ein Verfahren patentierte, getrocknete und gemahlene Braunalgen in eine Lyocellfaser einzubinden. Die Algen werden in isländischen und norwegischen Fjorden von Hand geerntet, mit einem Schnitt, der den nachwachsenden Teil der Pflanze unversehrt lässt, sodass der Bestand wieder nachwächst. Es ist eine junge Nischenfaser, die in Strickgarnen fast immer mit Baumwolle oder anderem Lyocell gemischt vorkommt.
Wie das Garn entsteht
Sie wird nicht wie Baumwolle aus einer natürlichen Flocke gesponnen: Holzcellulose wird in einem Lösungsmittel aufgelöst und im Lyocellverfahren zu Filament regeneriert, in einem geschlossenen Kreislauf, der fast das gesamte Lösungsmittel zurückgewinnt. In dieser Phase wird das Algenpulver zugegeben, das in der Faser eingeschlossen bleibt. Das Filament wird anschließend zu Spinnfasern geschnitten und versponnen, oft gemischt mit anderen Cellulosefasern.
Warum sie geschätzt wird
Sie verbindet den kühlen Griff und den schönen Fall von Lyocell mit dem Reiz der mineralstoffreichen Alge, deren Nutzen für die Haut allerdings eher ein Versprechen des Herstellers als eine textile Tatsache bleibt. Abgesehen vom grünen Aspekt liegt der greifbare Vorzug für Strickende im Textilen: Sie ist weich, atmungsaktiv, sehr saugfähig und hat einen fließenden Fall, wie ihn nur wenige Pflanzengarne bieten, und das bei einem Herstellungsverfahren mit geringer Umweltbelastung im Vergleich zu herkömmlicher Viskose.
Färben
Sehr gut. Wie alle Cellulosefasern nimmt sie Reaktiv- und Direktfarbstoffe gut an, mit vollen, gleichmäßigen und tiefen Farben und guter Waschechtheit. Der leichte Glanz der Faser lässt die Farben leuchtend und lebendig wirken.
Pflege
Sie will schonend behandelt werden: Nass verliert die Cellulosefaser an Spannkraft und längt sich, deshalb besser in kaltem Wasser waschen, wenig schleudern und liegend trocknen, damit sie sich nicht unter ihrem eigenen Gewicht dehnt. Sie verfilzt nicht und flust kaum, kann aber knittern und bei starker Reibung an der Oberfläche leicht fibrillieren.
Lebensende
Sie ist regenerierte Cellulose aus natürlichem Rohstoff: biologisch abbaubar und kompostierbar, wenn sie rein oder mit anderen Naturfasern gemischt ist. Die Mischung mit Synthetikfasern dagegen erschwert das Recycling und verhindert ihre Rückkehr in den Boden.
Woran man sie erkennt
| Griff | Weich, glatt und leicht rutschig, kühl und bei der ersten Berührung fast kalt, wie alle Cellulosefasern. Sie hat keinen Stand: Sie lässt sich ohne Widerstand biegen. |
|---|---|
| Aussehen | Zarter, seidiger Glanz, glatte und gleichmäßige Oberfläche. Das Gestrick fällt gerade und dicht, fast ohne Flaum: kein duftiger Halo. |
| Verhalten | Fällt fließend und schwer, mit sehr geringer elastischer Rückstellung: Gedehnt längt sie sich und bleibt so. Kühl zu tragen, sehr saugfähig, knittert mäßig. |
| Brennprobe | Typisch für Cellulose: brennt schnell mit gelber, lebhafter Flamme, erlischt nicht von selbst, riecht nach verbranntem Papier oder Laub und hinterlässt feine, leichte graue Asche. |
| Proben zu Hause | Brennprobe: schnelle, gleichmäßige Flamme, Geruch nach verbranntem Papier, leichte Asche · Dehnprobe im nassen Zustand: Die Faser gibt nach und längt sich, typisch für Cellulosefasern · Elastizitätsprobe: dehnen und loslassen, sie kehrt nicht in Form zurück |
| Verwechselbar mit | Reines Lyocell/Tencel und Modal, im Griff und in der Brennprobe praktisch identisch · Viskose, die allerdings im nassen Zustand viel stärker an Festigkeit verliert · Mercerisierte Baumwolle, wegen des kühlen Glanzes und des dichten Falls |
| Nur im Labor | Dieses Lyocell von anderen Lyocellfasern, Modal oder Viskose zu unterscheiden und vor allem den Algenanteil zu bestätigen, erfordert Mikroskopie und chemische Analysen im Labor (ISO 1833). |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Niedrig | Forschung |
| Ausleiern | Hoch (fließender Fall) | Forschung |
| Flaum | Keine | Forschung |
| Filzneigung | Keine | Forschung |
| Feinheit (µm) | — | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 11,5 | Forschung |
| typisches Einlaufen (%) | 0–5 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | 38–51 | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Geeignet für
leichte, fließende Kleidungsstücke · Sommertops und Shirts, die direkt auf der Haut getragen werden · weicher, fließender Fall · Mischungen mit Baumwolle oder anderem Lyocell
Weniger geeignet für
Rippen und Bündchen, die in Form zurückspringen sollen · strukturierte Kleidungsstücke mit festem Maschenbild · Projekte, die Sprungkraft verlangen · viel Volumen und Wärme