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Fasern · Regeneratfasern

Reißfasern / Recyclingfasern

Die nachhaltigste Wahl im Katalog: Fasern aus Zuschnittresten und ausgedienter Kleidung, die mit wenig Wasser und wenig Farbstoff wieder zu Garn werden. Dafür verlangt sie einige Kompromisse, denn die kurzen Fasern ergeben ein uneinheitliches, materialbetontes und etwas gebrauchteres Aussehen.

Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

recycled Prato (Italien)Panipat (Indien)die Textilrecycling-Zentren weltweit
Altkleider
Altkleider

Geschichte

Textilrecycling ist keine neue Mode: Prato hat schon im 19. Jahrhundert eine Industrie daraus gemacht, mit der aus Lumpen gewonnenen „Kunstwolle“, jener berühmten Reißwolle, die ganze Generationen gekleidet hat. Auf der anderen Seite der Welt ist die indische Stadt Panipat zur heutigen Hauptstadt der Recyclingfaser geworden, mit Decken und groben Garnen. Inzwischen hat sich dieselbe Idee auf Baumwolle, Polyester und Mischungen ausgeweitet, angetrieben von der Nachfrage nach Kreislaufmode.

Wie das Garn entsteht

Kleidungsstücke und Zuschnittreste werden sortiert und nach Farbe und Zusammensetzung getrennt, dann mechanisch aufgerissen (das Reißen bzw. Garnettieren), bis sie wieder zu Flocke werden. Jeder Durchgang durch die Maschine kürzt und schwächt die Fasern ein wenig, deshalb wird das Recyclingmaterial fast immer mit einem Anteil Neufaser oder einem synthetischen Träger gemischt, der ihm wieder Festigkeit und Spinnbarkeit gibt. Die Sortierung nach Farbe erlaubt es, ohne erneutes Färben zu spinnen, und genau dort entsteht ein großer Teil der Umweltersparnis.

Warum sie geschätzt wird

Ihr Wert ist eher ethisch als technisch: Sie entzieht der Deponie Material und senkt Wasser-, Energie- und Farbstoffverbrauch gegenüber Neufasern drastisch, weil die Farbe schon aus den Ausgangsteilen mitkommt. Dazu bietet sie einen rustikalen Griff und ein gebrauchtes, meliertes Aussehen voller Charakter, das vielen gerade deshalb gefällt, weil es von ihrem zweiten Leben erzählt.

Färben

Oft wird gar nicht gefärbt: Die Farbe stammt aus den sortierten und gemischten Ausgangsteilen, deshalb setzen die Farbkarten auf Melangetöne, Grau- und Erdtöne. Wird nachgefärbt, ist das Ergebnis weniger vorhersehbar als bei Neufasern, weil die Flocke bereits eine Mischung aus Materialien und Schattierungen ist, die den Farbstoff unterschiedlich aufnehmen.

Pflege

Sie verlangt die Schonung, die kurze Fasern brauchen: Handwäsche oder Schonprogramm in kaltem Wasser, nicht auswringen, liegend trocknen. Bei den ersten Einsätzen bilden sich einige Knötchen und etwas Flaum: Sie bei Bedarf mit dem Fusselrasierer zu entfernen, gehört zur normalen Pflege dieser Garne.

Lebensende

Sie schließt den Kreis bereits einmal, ein zweites Mal kaum: Da die Fasern inzwischen kurz sind, bringt ein zweites mechanisches Recycling wenig. Die biologische Abbaubarkeit hängt von der Zusammensetzung der Mischung ab: sehr gut, wenn das Recyclingmaterial nur aus Naturfasern besteht, teilweise, wenn es einen synthetischen Anteil enthält.

Woran man sie erkennt

GriffRau und kräftig, mit einer unregelmäßigen, etwas haarigen Oberfläche. Beim Anfassen spürt man die Uneinheitlichkeit der Flocke, weniger seidig und trockener als bei Neufasern.
AussehenMeliert und gesprenkelt, mit Tupfen in verschiedenen Farben und einem Flaum, der früh zum Vorschein kommt. Gerade die uneinheitliche Farbvielfalt verrät die Herkunft aus zurückgewonnenen und gemischten Materialien.
VerhaltenWenig elastisch: Gedehnt kehrt sie nur träge in Form zurück und neigt dazu, beim Tragen nachzugeben und auszuleiern. Die kurzen Fasern treten leicht heraus, deshalb sind Pilling und gelegentliche Fadenbrüche ihre typischsten Schwächen.
BrennprobeUneinheitliches Bild, weil es sich um eine Mischung handelt: Überwiegt der natürliche Anteil, brennt sie mit Geruch nach Haaren oder Papier und hinterlässt bröselige Asche; ein synthetischer Anteil schmilzt und zieht sich zusammen. Dieses zwiespältige Verhalten ist schon ein Hinweis auf Recyclingmaterial.
Proben zu HauseSichtprüfung: auf Tupfen in verschiedenen Farben und Flaum achten, Zeichen der recycelten Mischung · Elastizitätsprobe: dehnen und loslassen, Recyclingmaterial kehrt langsam in Form zurück und gibt nach · Brennprobe: Schmilzt ein Teil zu einer harten Perle und verbrennt ein anderer zu bröseliger Asche, ist es eine Mischung
Verwechselbar mitEinfache Streichgarnwolle aus Neufaser: ähnlich im Aussehen, aber gleichmäßiger, mit längerer und festerer Faser · Gezielt gefärbte Melangegarne: Sie ahmen das Melierte nach, gehen aber von einheitlicher Faser aus und pillen nicht sofort
Nur im LaborDie genaue Zusammensetzung der Mischung und den tatsächlichen Anteil an Recyclingfaser zu bestimmen, erfordert eine Laboranalyse (ISO 1833 für die Faseranteile); mit bloßem Auge ahnt man die Herkunft, aber nicht die Rezeptur.

Physikalische Daten

EigenschaftWertQuelle
elastische ErholungNiedrigForschung
AusleiernMittelForschung
FlaumMittelForschung
FilzneigungMittel (hohes Risiko für Fadenbrüche und Pilling wegen der kurzen Fasern)Forschung
Feinheit (µm)—Forschung
Feuchtigkeitsaufnahme (%)—Forschung
typisches Einlaufen (%)0–10Schätzung
Stapellänge (mm)10–40Schätzung

gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität

Geeignet für

umweltbewusste Projekte · materialbetonte, rustikale Kleidungsstücke · Melange- und Mouliné-Garne · warme Strickwaren in dichtem Maschenbild · Accessoires und voluminöse Kleidungsstücke

Weniger geeignet für

Rippen und Bündchen, die in Form zurückspringen sollen · glatte, makellose Kleidungsstücke ohne Pilling · feine Arbeiten mit hoher Fadenspannung · Kleidungsstücke mit starker Scheuerbelastung

Zertifizierungen

GRSRCSOEKO-TEX