Fasern · Tierfasern
Qiviut (Moschusochse)
Die arktische Faser schlechthin: die Unterwolle des Moschusochsen, eine der wärmsten und leichtesten, die es gibt. Sehr selten und kostbar, kratzt nicht und verfilzt nicht und ist ideal für kleine Accessoires und Tücher von reinem Luxus.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Qiviut ist das Daunenhaar, das der Moschusochse beim Fellwechsel im Frühjahr verliert; es wird von Hand im Gestrüpp der Tundra oder direkt aus dem Vlies gesammelt, nie geschoren. Seine Verarbeitung ist mit den Inuit-Gemeinschaften der Arktis verbunden: In Alaska vereint die in den Sechzigerjahren gegründete Genossenschaft Oomingmak einheimische Kunsthandwerkerinnen, die Tücher und Mützen nach traditionellen Mustern stricken und der Faser so neben dem textilen auch einen kulturellen Wert geben. Die winzigen Erträge und die entlegene Herkunft machen sie seit jeher zu einer der teuersten Fasern der Welt.
Wie das Garn entsteht
Gesammelt wird von Hand nur die weiche Unterwolle, ohne Schur; anschließend wird sie in langer, geduldiger Arbeit von den gröberen Grannenhaaren getrennt (Entgrannen). Ein einzelnes Tier liefert im Jahr nur wenige hundert Gramm saubere Faser: Gerade diese Knappheit, zusammen mit der Reinigung von Hand, stellt sie in das oberste Marktsegment. Die gewonnene Faser ist sehr kurz und sehr fein und wird meist zu sehr dünnen Garnstärken versponnen.
Warum sie geschätzt wird
Sie verbindet außergewöhnliche Wärme mit einer fast nicht spürbaren Leichtigkeit: Sie hält Luft wie kaum eine andere Faser und bleibt dabei dünn und gewichtslos. Anders als Wolle verfilzt sie nicht und schrumpft so gut wie gar nicht, und sie neigt viel weniger zu Pilling als Kaschmir. Sie ist sehr weich und kratzt nicht, sodass auch empfindliche Menschen sie direkt auf der Haut tragen können.
Färben
Als Proteinfaser nimmt sie Säurefarbstoffe gut an, mit guter Echtheit. In der Praxis wird sie aber oft in ihrer natürlichen graubraunen Farbe belassen: Sie gehört zu ihrem Wert, und eine Färbung würde ihre Geschichte und Herkunft eher verdecken.
Pflege
Überraschend stabil und unkompliziert: Sie verfilzt nicht und verträgt Wasser deshalb besser als jede andere Wolle. Trotzdem wird sie von Hand in kaltem Wasser mit mildem Waschmittel gewaschen und liegend getrocknet, um der Empfindlichkeit des Stücks gerecht zu werden. Sie neigt wenig zu Pilling, aber die kurze Faser verlangt ein gut gearbeitetes Gestrick, damit es sich mit der Zeit nicht lockert.
Lebensende
Sie ist eine natürliche Proteinfaser, am Ende ihrer Nutzung biologisch abbaubar und kompostierbar. Wegen ihrer Seltenheit und ihres Werts werden Stücke aus Qiviut eher aufbewahrt und weitergegeben als ausrangiert: Der nachhaltigste Weg bleibt die Weiterverwendung.
Woran man sie erkennt
| Griff | Unglaublich weich und leicht, beim Anfassen weit wärmer, als ihr Gewicht vermuten lässt. Sie kratzt überhaupt nicht, auch nicht auf sehr empfindlicher Haut. |
|---|---|
| Aussehen | Natürliche graubraune Farbe, matt und ohne Glanz. Mit dem Tragen entwickelt sie leicht einen weichen, duftigen Halo an der Oberfläche, ihr typisches Aufblühen. |
| Verhalten | Wenig elastisch: Nach dem Dehnen findet sie eher nicht in Form zurück, gibt unter dem eigenen Gewicht aber kaum nach, weil sie sehr leicht ist. Sie verfilzt nicht, schrumpft fast nicht und hält die Wärme außergewöhnlich gut. |
| Brennprobe | Protein-Signatur: Sie brennt langsam mit dem Geruch von verbranntem Haar und hinterlässt ein schwarzes, bröseliges Kügelchen, wie Wolle und Kaschmir. |
| Proben zu Hause | Brennprobe: langsame Flamme, Geruch nach verbranntem Haar, bröselige Asche · Heißwasserprobe: Sie verfilzt nicht, anders als Wolle · Seltenheit und sehr hoher Preis sind an sich schon ein starkes Indiz für Echtheit |
| Verwechselbar mit | Kaschmir: ähnlicher Griff, aber Qiviut verfilzt nicht, neigt weniger zu Pilling und ist noch seltener · Andere feine Wollen und edle Unterwollen, beim Anfassen praktisch nicht zu unterscheiden |
| Nur im Labor | Die Tierart sicher zu bestätigen und Qiviut von anderen feinen Unterwollen zu unterscheiden, erfordert die Mikroskopie im Labor (ISO 17751). |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Niedrig | Forschung |
| Ausleiern | Niedrig (sehr leicht) | Forschung |
| Flaum | Hoch | Forschung |
| Filzneigung | Niedrig (verfilzt nicht leicht) | Forschung |
| Feinheit (µm) | 11–18 | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 15,0 | Schätzung |
| typisches Einlaufen (%) | 0–1 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | 40–70 | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Geeignet für
Luxusaccessoires wie Schals und Mützen · sehr leichte, warme Tücher · kleine Stücke direkt auf der Haut · edle Details in Mischung mit anderen Edelfasern
Weniger geeignet für
große Lauflängen wegen der unerschwinglichen Kosten · Rippen und Bündchen, die zurückfedern sollen (geringes elastisches Gedächtnis) · Stücke, die Struktur und Spannkraft brauchen