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Fasern · Synthesefasern

Polypropylen (Polycolon)

Die leichteste Faser überhaupt, so leicht, dass sie auf dem Wasser schwimmt: Sie nimmt keine Feuchtigkeit auf, leitet sie von der Haut weg und trocknet im Nu. Sie ist die technische Wahl für Sport und hautnahe Lagen, nicht für umhüllende Wärme beim Entspannen.

Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

polypropylene
Erdöl
Erdöl

Geschichte

Sie entsteht 1954 aus den Forschungen von Giulio Natta am Politecnico di Milano, der das isotaktische Polypropylen synthetisierte: eine Arbeit, die ihm 1963 den Nobelpreis für Chemie einbrachte. Aus dieser Entdeckung ging eine ganze Familie von Materialien hervor; in der Strickerei hat sich die Faser vor allem bei Funktionsunterwäsche und Thermowäsche durchgesetzt, wo der Handelsname Polycolon fast zum Synonym für spinngefärbtes Garn für den Sport geworden ist.

Wie das Garn entsteht

Sie wird durch Extrusion hergestellt: Das geschmolzene Polymer wird durch die Spinndüsen gepresst und zu einem Endlosfilament verstreckt, dann gegebenenfalls texturiert, um ihm Volumen und Elastizität zu geben. Die Farbe wird fast immer in der Masse eingebracht, indem das Pigment der Schmelze vor dem Spinnen zugesetzt wird; so ist die Farbe Teil der Faser und keine an der Oberfläche abgelagerte Schicht.

Warum sie geschätzt wird

Ihr Vorzug ist technisch, nicht edel: Sie ist das leichteste Textil überhaupt und das einzige, das praktisch nicht nass wird. Da sie kein Wasser hält, bleibt die Haut trocken, und der Schweiß wird zu den äußeren Lagen geleitet, wo er verdunstet. Im Gestrick ergibt sie sehr leichte Stücke, die schnell trocknen und auch nass warm halten, ideal als erste Lage unter dem Wollpullover.

Färben

Im Färbebad ist sie schwer zu färben, weil sie keine chemischen Bindungsstellen für gängige Farbstoffe hat und kein Wasser aufnimmt. Deshalb wird sie fast immer spinngefärbt, mit Pigmenten, die in der Polymerschmelze verteilt werden: Das ergibt eine hervorragende Wasch- und Lichtechtheit, aber eine Farbpalette, die eher beim Spinnen festgelegt wird als frei in der Färberei.

Pflege

Sehr leicht zu waschen und blitzschnell trocken, verfilzt nicht und schrumpft im Wasser nicht. Die eigentliche Grenze ist die Hitze: Sie schmilzt schon bei niedriger Temperatur, also kein heißes Bügeleisen und kein aggressiver Trockner. Sie hält Körpergerüche stärker fest als andere Fasern und verträgt deshalb gern häufige Wäschen bei niedriger Temperatur.

Lebensende

Sie ist nicht biologisch abbaubar: ein petrochemisches Polymer, das lange in der Umwelt bleibt. Dafür ist sie technisch recycelbar, weil sie sortenrein und thermoplastisch ist: Geschmolzen und neu extrudiert wird sie wieder zu Faden oder Produkt, vorausgesetzt, das Kleidungsstück ist nicht mit schwer trennbaren Fasern gemischt.

Woran man sie erkennt

GriffÜberraschend leicht in der Hand, fast wachsartig und trocken beim Anfassen, lauwarm, aber ohne die lebendige Wärme von Wolle. Der Faden gleitet glatt und hat eine leicht plastikartige Beschaffenheit.
AussehenMatt bis leicht wachsartig, ohne echten seidigen Glanz und ohne natürliche Kräuselung; Volumen, wo vorhanden, kommt von der industriellen Texturierung des Filaments, nicht von einer Kräuselung der Faser.
VerhaltenMittlere Elastizität und ordentliche Rückstellung, leichter und etwas steifer Fall. Sie nimmt kein Wasser auf, bleibt also auch nass warm und trocknet sehr schnell; sie lädt sich leicht elektrostatisch auf und zieht Staub an.
BrennprobeSaubere Synthetik-Signatur: Sie schmilzt und tropft, bevor sie brennt, klare Flamme mit blauem Fuß und gelber Spitze, Geruch nach Paraffin oder Wachs, Rückstand als hartes Kügelchen aus geschmolzenem Kunststoff.
Proben zu HauseSchwimmprobe: Eine Flocke im Wasser bleibt oben, weil sie leichter ist als Wasser · Brennprobe: schmilzt und tropft zu einem harten Kügelchen, Geruch nach Wachs und nicht nach verbranntem Haar · Tropfenprobe: Das Wasser perlt an der Oberfläche ab und wird nicht aufgenommen
Verwechselbar mitPolyester: im Griff und in der Flamme sehr ähnlich, aber Polyester nimmt etwas Feuchtigkeit auf, sinkt im Wasser und brennt mit süßlicherem Geruch · Polyethylen: ein anderes leichtes Polyolefin, nur im Labor sicher zu unterscheiden
Nur im LaborSie sicher von anderen Polyolefinen und von Polyester zu trennen, erfordert eine Laboranalyse: Dichte in der Gradientensäule, Schmelzpunkt und Infrarotspektroskopie (FTIR), dazu die selektive Auflösung nach ISO 1833.

Physikalische Daten

EigenschaftWertQuelle
elastische ErholungMittelForschung
AusleiernNiedrig (sehr leichte Faser)Forschung
FlaumKeineForschung
FilzneigungKeineForschung
Feinheit (µm)—Forschung
Feuchtigkeitsaufnahme (%)0,0Forschung
typisches Einlaufen (%)0–5Schätzung
Stapellänge (mm)—Forschung

gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität

Geeignet für

technische erste Lage und Thermounterwäsche · Sportstücke, die schnell trocknen müssen · Trekking- und Sportsocken · hautnahe Lagen unter Wolle

Weniger geeignet für

Strickwaren zum Entspannen und für Wärme (in Ruhe wenig atmungsaktiv) · Stücke, die heiß gebügelt werden · weicher, schwerer Fall · Kleidung für größten Komfort in Ruhe

Zertifizierungen

OEKO-TEX Standard 100bluesign