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Fasern · Pflanzenfasern

Ananasfaser (Piña)

Sehr fein, glänzend und durchscheinend, aus den Blättern der Ananas gewonnen: eine kostbare, zeremonielle Faser, leicht wie ein Schleier, aber äußerst empfindlich. Sie schenkt Eleganz und Glanz, keine Elastizität, und will mit größter Sorgfalt behandelt werden.

Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

pineapple Ananas comosus Red Spanish (einheimische Sorte mit langen Blättern, nicht die Fruchtsorte) PhilippinenIndienTaiwanIndonesienBrasilien
Ananas
Ananas

Geschichte

Sie ist die edle Faser der Philippinen, wo Piña-Gewebe seit Jahrhunderten die Kleidung für große Anlässe stellt, allen voran den Barong Tagalog, das zeremonielle Männerhemd. Das historische Zentrum der Verarbeitung ist die Provinz Aklan, mit Kalibo als Hauptstadt des handgewebten Stoffs; im 19. Jahrhundert war Piña ein Luxusgut, das in ganz Europa exportiert wurde. Nach einem langen Niedergang ist das Handwerk als Symbol der Identität und hoher Textilkunst wieder aufgeblüht.

Wie das Garn entsteht

Sie wird weder geschoren noch extrudiert: Sie wird aus den Blättern gewonnen. Die reifen Blätter werden von Hand mit einer Scherbe oder einem Keramikteller abgeschabt, um die Filamente freizulegen, die anschließend gewaschen, in der Sonne getrocknet und einzeln verknotet werden, um einen durchgehenden Faden zu bilden. Aus dieser sehr langsamen, bis heute großteils manuellen Arbeit entsteht ein feines, ungleichmäßiges Garn, was zugleich die Seltenheit und den Preis der Faser erklärt.

Warum sie geschätzt wird

Sie besticht durch ihre außergewöhnliche Feinheit und einen seidigen, fast gläsernen Glanz, der unter Pflanzenfasern selten ist. Der Faden ist sehr leicht und durchscheinend, kühl beim Anfassen und sehr atmungsaktiv, ideal für Stücke, die wie Luft wirken sollen. Sie ist keine Faser für Volumen oder Elastizität: Ihr Wert liegt ganz im kostbaren Aussehen und im trockenen, edlen Griff.

Färben

Traditionell wird sie gerade im Naturzustand geschätzt, in einem warmen, glänzenden Elfenbeinweiß, das ihr Erkennungszeichen ist. Als Zellulosefaser nimmt sie die für Pflanzenfasern üblichen Direkt- und Reaktivfarbstoffe an, doch das Ergebnis bleibt zarter und dezenter als bei Baumwolle, und kräftige Farben können den natürlichen Glanz dämpfen. Deshalb sieht man sie oft cremefarben belassen oder in hellen, gepuderten Tönen gefärbt.

Pflege

Sie will wie ein kostbares Stück behandelt werden: sehr schonende Handwäsche in kaltem Wasser, ohne Auswringen oder Verdrehen, oder chemische Reinigung. Die Faser ist steif und brüchig, neigt zum Brechen an Knickstellen und zum Ausfransen an den Kanten, verträgt also weder Reibung noch mechanisches Bewegen noch Trockner. Liegend im Schatten trocknen und flach oder aufgerollt aufbewahren, um bleibende Knicke zu vermeiden.

Lebensende

Sie ist eine pflanzliche Zellulosefaser und daher biologisch abbaubar und kompostierbar, sofern sie nicht mit Synthetik gemischt ist. Außerdem stammt sie aus einem landwirtschaftlichen Nebenprodukt, den Blättern der Fruchtpflanze, und ist in diesem Sinn ein Material der Kreislaufverwertung. Mechanisches Recycling ist wegen der Seltenheit und der Brüchigkeit des Fadens kaum üblich.

Woran man sie erkennt

GriffTrocken, kühl und glatt, mit seidigem Gleiten, aber steifem Körper: nicht weich und kuschelig, sondern kompakt und etwas papierartig, und sie gibt dem Fingerdruck kaum nach.
AussehenStark glänzend, fast gläsern, in einem durchscheinenden Elfenbeinweiß. Der Faden ist fein und bewusst unregelmäßig, ohne Kräuselung, und zeigt im Licht einen Glanz, den keine andere Pflanzenfaser in gleichem Maß besitzt.
VerhaltenSteif und mit wenig Fall, ohne elastische Rückstellung: Gedehnt findet sie nicht in Form zurück, an Knicken zeichnet sie und knittert deutlich. Sie ist kühl und leicht zu tragen, aber empfindlich gegen Reibung und wiederholtes Biegen.
BrennprobeZellulose-Signatur: Sie brennt schnell mit offener Flamme, riecht nach verbranntem Papier oder Laub und hinterlässt eine leichte, pudrige graue Asche ohne hartes Kügelchen.
Proben zu HauseBrennprobe: schnelle Flamme, Geruch nach verbranntem Papier, bröselige graue Asche · Nasser Zugtest: Wie andere Pflanzenfasern hält sie stand, ohne schwächer zu werden, anders als Wolle · Knickprobe: Sie zeichnet und behält die Falte, ein Zeichen zellulosischer Steifigkeit
Verwechselbar mitSeide, wegen des Glanzes: Seide riecht in der Flamme aber proteinartig nach verbranntem Haar und nicht nach Papier · Andere Blattfasern wie Abaca, gröber und matter, oder Rayon, weicher und nachgiebiger
Nur im LaborPiña sicher von anderen zellulosischen Blattfasern zu unterscheiden und Feinheit und Zusammensetzung zu messen, erfordert die Mikroskopie im Labor und Löslichkeitsprüfungen (ISO 1833).

Physikalische Daten

EigenschaftWertQuelle
elastische ErholungKeineForschung
AusleiernNiedrig (sehr empfindlich)Forschung
FlaumKeineForschung
FilzneigungKeineForschung
Feinheit (µm)20–80Forschung
Feuchtigkeitsaufnahme (%)12,0Forschung
typisches Einlaufen (%)0–5Schätzung
Stapellänge (mm)300–900Forschung

gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität

Geeignet für

leichte, festliche Stücke · strukturierte, durchscheinende Gewebe · kostbare Details und Einsätze · Mischungen für Glanz und Kühle

Weniger geeignet für

elastische Strickwaren und Rippen · Stücke, die in Form zurückfinden müssen · Alltagsgebrauch und häufiges Waschen · Projekte für Anfänger