Fasern · Pflanzenfasern
Papier (Washi)
Die unerwartetste Faser der Strickerei: japanisches Papierband, zu einem Faden gedreht, sehr leicht und knisternd. Es hat keine Elastizität, und gerade deshalb entstehen daraus skulpturale Gestricke, die ihre Form halten wie kein anderes Garn.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
In Japan wird Papier seit Jahrhunderten versponnen. Aus der Tradition des Washi, des handgeschöpften Papiers aus der Rinde des Kozo, entsteht das "kami-ito", der Papierfaden, und aus seinem Verweben das "shifu", das Papiergewebe, das in der Edo-Zeit für Gewänder, Futter und leichte Kleidung verwendet wurde, als Seide ein verbotener Luxus war. Aus diesem handwerklichen Erbe ist das Papiergarn in der Sommerstrickerei und bei zeitgenössischen Design-Accessoires wieder in Mode gekommen.
Wie das Garn entsteht
Hier wird keine lose Faser versponnen: Man beginnt mit einem Blatt. Das Papier wird in hauchdünne, durchgehende Streifen geschnitten, dann angefeuchtet und in sich verdreht, bis ein runder, fester Faden entsteht. Manche moderne Garne verwenden zertifizierten Holzzellstoff oder Abacafaser statt Kozo, aber das Prinzip bleibt dasselbe: ein Papierband, das durch die Drehung zum Faden wird.
Warum sie geschätzt wird
Es ist wertvoll für das, was andere Fasern nicht können. Es wiegt sehr wenig, ist im Sommer kühl und atmungsaktiv, und seine völlige Steifigkeit macht es tragfähig: Ein gestrickter Hut, eine Tasche oder ein Korb steht von allein, ohne Futter oder Verstärkung. Die matte, leicht papierartige Oberfläche gibt den Stücken ein modernes, grafisches Aussehen.
Färben
Als Zellulose nimmt es Direkt- und Reaktivfarbstoffe gut an, die oft schon vor dem Schneiden auf das Blatt aufgetragen werden. Die japanische Tradition färbte es mit Indigo, das auf gedrehtem Papier tiefe Blautöne und sehr schöne unregelmäßige Schattierungen ergibt. Die Töne bleiben eher matt und natürlich, ohne Leuchtkraft.
Pflege
Es will behutsam gewaschen werden, von Hand und in kaltem Wasser: Nass verliert Papier vorübergehend an Festigkeit, darf also nicht ausgewrungen oder verdreht werden. Viele Papiergarne werden jedoch durch Gebrauch und die erste Wäsche besser, weicher und verlieren ihre kantigste Steifigkeit. Pilling ist kein Thema; starker, anhaltender Abrieb sollte vermieden werden.
Lebensende
Es ist Papier: reine Zellulose, biologisch abbaubar und kompostierbar, sofern es nicht beschichtet oder mit Synthetik gemischt ist. Da es aus der Papierherstellung stammt, ist es auch recycelbar, und die besten Versionen gehen von zertifiziertem Zellstoff aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft aus.
Woran man sie erkennt
| Griff | Sehr leicht, trocken und knisternd, kühl beim Anfassen wie ein Blatt Papier. Es ist steif und ohne jede Federung: Man merkt sofort, dass es keine klassische Textilfaser ist. |
|---|---|
| Aussehen | Matt und ohne Reflexe, mit leicht papierartiger Oberfläche und der typischen, gut sichtbaren Banddrehung. Kein Glanz, kein Halo: Das Ergebnis ist klar und grafisch. |
| Verhalten | Nach dem Dehnen findet es nicht in Form zurück und hat keine elastische Rückstellung: Stattdessen hält es den Knick und die Struktur, die du ihm gibst. Es fällt steif und kantig und wird durch Waschen und Gebrauch etwas weicher. |
| Brennprobe | Zellulose-Signatur, identisch mit Papier: Es brennt schnell mit gelber, lebhafter Flamme, riecht nach verbranntem Papier oder Holz und hinterlässt eine leichte, bröselige graue Asche ohne geschmolzenes Kügelchen. |
| Proben zu Hause | Brennprobe: schnelle, gelbe Flamme, Geruch nach verbranntem Papier, leichte Asche · Nassprobe: Angefeuchtet verliert es an Festigkeit und wird schwächer, wie ein Blatt Papier · Knickprobe: Zusammengedrückt hält es die Form, statt zurückzufedern |
| Verwechselbar mit | Naturbast (Raffia), ebenfalls knisternd und matt: Papier zeigt aber die durchgehende Banddrehung · Bändchen aus Viskose oder Synthetik, die es nachahmen: In der Flamme schmelzen sie zu einem harten Kügelchen, statt zu Asche zu verbrennen |
| Nur im Labor | Herauszufinden, aus welchem Rohstoff der Zellstoff stammt (Kozo, Abaca oder Holz), und ihn sicher von anderen Zellulosen zu unterscheiden, erfordert eine mikroskopische Laboranalyse (ISO 9184, Faserstoffanalyse von Papier, Karton und Zellstoff). |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Keine (sehr steif) | Forschung |
| Ausleiern | Niedrig | Forschung |
| Flaum | Keine | Forschung |
| Filzneigung | Keine | Forschung |
| Feinheit (µm) | — | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 7,0 | Schätzung |
| typisches Einlaufen (%) | 0–5 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | — | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Geeignet für
Taschen und Körbe, die ihre Form halten · Hüte und strukturierte Accessoires · leichte, atmungsaktive Sommerstücke · Wohnaccessoires · grafische und skulpturale Arbeiten
Weniger geeignet für
elastische, anliegende Strickwaren · Rippen und Bündchen, die in Form zurückfinden müssen · weicher, fließender Fall · warme Winterstücke