Fasern · Synthesefasern
Nylon / Polyamid
Die Verstärkung schlechthin: sehr strapazierfähig, elastisch und leicht. In der Strickerei wird es fast immer in kleiner Dosis eingesetzt, damit Strümpfe, Bündchen und Sockenspitzen länger halten, ohne das Kleidungsstück zu beschweren.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Es entsteht 1935 in den Laboren von DuPont durch Wallace Carothers: die erste vollsynthetische Faser der Geschichte, 1938 der Öffentlichkeit vorgestellt und mit den berühmten Strümpfen von 1940 eingeführt, die sie zum Massenphänomen machten. In Europa führt die parallele deutsche Forschung zu Perlon, während in Italien die Polyamide zu einem Pfeiler der Chemie- und Textilindustrie des 20. Jahrhunderts werden. Seitdem ist der Handelsname als Synonym für Robustheit in die Alltagssprache eingegangen.
Wie das Garn entsteht
Es wird weder geschoren noch angebaut: Es wird durch chemische Synthese aus Erdölderivaten aufgebaut. Die Monomere werden polymerisiert und dann geschmolzen, und das flüssige Polymer wird durch eine Spinndüse extrudiert; so entsteht ein Endlosfilament, das kalt verstreckt wird, um die Moleküle auszurichten und die Festigkeit zu vervielfachen. Der Faden kann als glänzendes Glattgarn bleiben oder texturiert werden, um ihm mehr Volumen und einen weichen Griff zu geben; heute gibt es auch recycelte Versionen aus Fischernetzen und Industrieabfällen.
Warum sie geschätzt wird
Bei gleicher Feinheit ist es die festeste Faser im Kleiderschrank, mit einer elastischen Rückstellung, die keine Naturfaser erreicht. Schon ein kleiner Anteil in einem Garn vervielfacht die Abriebfestigkeit an den Stellen, die zuerst verschleißen, etwa Ferse und Spitze von Socken, ohne Elastizität zu nehmen oder Gewicht hinzuzufügen. Es ist die klassische dienende Zutat: selten im Mittelpunkt, fast immer wertvoll als Verstärkung.
Färben
Hervorragend. Polyamid besitzt Aminoendgruppen, die Säurefarbstoffe nach derselben Logik binden wie Wolle, mit leuchtenden und echten Färbungen. Gerade wegen dieser Verwandtschaft lassen sich bei einem Wolle-Nylon-Mischgarn beide Fasern in einem einzigen Bad färben, was seine Verbreitung bei Sockengarnen begünstigt hat.
Pflege
Sehr pflegeleicht: maschinenwaschbar, widerstandsfähig gegen Abrieb und Risse, schnell trocken. Es wird in lauwarmem Wasser gewaschen und bei niedriger Temperatur gebügelt, denn zu viel Hitze lässt es schrumpeln und vergilben. Es neigt zu statischer Aufladung und hält Gerüche stärker fest als Naturfasern; es verfilzt nicht und ist vor Motten sicher.
Lebensende
Es ist nicht biologisch abbaubar: In der Umwelt bleibt es sehr lange bestehen und gibt, wie alle Synthetikfasern, beim Waschen Mikrofasern ab. Es ist aber recycelbar: Es gibt Lieferketten, die es aus Abfällen und geborgenen Fischernetzen regenerieren und zu einem Faden zurückführen, der neuem Material qualitativ vergleichbar ist.
Woran man sie erkennt
| Griff | Glatt, kühl und leicht rutschig beim Anfassen, sehr leicht. Der Faden gibt unter Zug nach, schnellt aber sofort zurück, mit einer deutlicheren elastischen Rückstellung als Naturfasern. |
|---|---|
| Aussehen | Von glänzend und seidig als Glattgarn bis matt und voluminös in der texturierten Version; das Filament ist äußerst gleichmäßig, ohne natürliche Kräuselung, ohne jeden Halo oder Flaum. |
| Verhalten | Sehr elastisch und abriebfest, knittert nicht und behält die Form; es ist hydrophob, trocknet also schnell, wärmt aber wenig und hält Gerüche fest. Es lädt sich leicht statisch auf. |
| Brennprobe | Synthetik-Signatur: In der Flamme schmilzt es und zieht sich zurück, statt zu brennen, mit einem Geruch nach Sellerie oder heißem Kunststoff, und hinterlässt ein hartes, glänzendes, gräuliches Kügelchen am Rand der Schmelze. |
| Proben zu Hause | Brennprobe: Die Faser schmilzt zu einem harten Kügelchen, es entsteht keine bröselige Asche · Elastizitätsprobe: ziehen und loslassen; der Faden schnellt zurück und bleibt nicht verformt · Wassertropfen: perlt an der Oberfläche ab und wird nicht aufgenommen, ein Zeichen für eine hydrophobe Faser |
| Verwechselbar mit | Polyester: schmilzt ebenfalls in der Flamme, aber Nylon riecht eher nach Sellerie und nimmt Säurefarbstoffe an wie Wolle · Elasthan/Spandex: beide elastisch, aber Spandex findet nach viel stärkerer Dehnung in Form zurück und hält Abrieb nicht im gleichen Maß aus |
| Nur im Labor | Polyamide sicher von anderen Synthetikfasern zu unterscheiden und ihren Anteil in einem Mischgarn zu bestimmen, erfordert eine Laboranalyse, durch selektive Löslichkeit oder Spektroskopie (ISO 1833). |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Hoch | Forschung |
| Ausleiern | Niedrig | Forschung |
| Flaum | Keine | Forschung |
| Filzneigung | Keine | Forschung |
| Feinheit (µm) | — | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 4,5 | Forschung |
| typisches Einlaufen (%) | 0–5 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | — | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Für die Berechnung des Gestricks
| Reibungskoeffizient (µ) | 0,44 | gemessen |
|---|---|---|
| Dichte (g/cm³) | 1,14 | gemessen |
| Elastizitätsmodul (GPa) | 2,7 | gemessen |
| spezifische Biegesteifigkeit (dyn·cm²/tex²) | 0,14 | gemessen |
Geeignet für
Verstärkung von Strümpfen und Socken · stark beanspruchte Spitzen und Fersen · Funktions- und Sportbekleidung · langlebige elastische Garne · strapazierfähige Accessoires
Weniger geeignet für
warme, luftige Stücke aus reinem Nylon · Strickwaren, die atmen sollen · Projekte, bei denen ein natürlicher Griff gefragt ist · Nähe zu Wärmequellen