Fasern · Tierfasern
Mohair (Angoraziege)
Sehr leicht und umhüllt von einem weichen, duftigen Halo, der das Kleidungsstück mit Luft füllt. Es glänzt wie Seide und wärmt enorm, aber das lange Haar verhakt sich und lässt sich nicht zurückziehen: Überleg es dir vorher gut, denn ein Mohairgestrick ist fast unmöglich wieder aufzuribbeln.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Es ist nach der Region Angora benannt, dem heutigen Ankara, wo die Ziege seit Jahrhunderten gezüchtet wird. Wegen seines Glanzes erhielt es den Beinamen "Diamantfaser", und seine große Zeit lebt in der Erinnerung an weiche Plaids und flauschige Pullover der Achtzigerjahre fort. Heute hat sich die Produktion großteils nach Südafrika und Texas verlagert, den beiden Hauptzentren.
Wie das Garn entsteht
Es wird durch Schur gewonnen, meist zweimal im Jahr. Die erste Schur des Zickleins ergibt Kid Mohair, das feinste, weichste und wertvollste; mit zunehmendem Alter bildet die Ziege ein immer gröberes, griffigeres Haar. Das Vlies, sehr glänzend und in langen Locken, wird kardiert oder gekämmt und oft mit Wolle gemischt, die ihm die Elastizität leiht, die Mohair fehlt.
Warum sie geschätzt wird
Es vereint drei Eigenschaften, die selten in einer Faser zusammenkommen: einen seidigen Glanz, der die Farben aufleuchten lässt, eine sehr hohe Deck- und Wärmekraft bei fast keinem Gewicht und vor allem den Halo. Das ist jene Wolke aus langen, glänzenden Haaren, die sich vom Gestrick abhebt und ihm Volumen und eindrucksvolle Tiefe gibt, das unverwechselbare Erkennungszeichen von Mohair, das sich mit anderen Fasern nicht nachahmen lässt.
Färben
Hervorragend. Wie alle Proteinfasern bindet es Säurefarbstoffe echt, und die glänzende Oberfläche reflektiert das Licht, sodass die Töne leuchtender und satter erscheinen als auf matter Wolle. Es gehört zu den Fasern, die kräftige Farben und Edelsteintöne am besten zur Geltung bringen.
Pflege
Handwäsche in kaltem Wasser mit mildem Waschmittel, liegend trocknen. Es verfilzt viel weniger als Wolle, verliert aber Haare, vor allem wenn es neu ist: Leichtes Bürsten richtet den Halo auf und gehört zur Ausrüstung des Kleidungsstücks. Vorsicht beim Waschen mit anderen Teilen, denn die langen Haare wandern und haften überall.
Lebensende
Biologisch abbaubar und kompostierbar wie die anderen Tierfasern aus reinem Keratin. Mischungen mit Wolle lassen sich weiterhin mechanisch recyceln, während Halo und Haarlänge eine saubere Rückgewinnung der einzelnen Faser schwieriger machen als bei glatter Wolle.
Woran man sie erkennt
| Griff | Glatt, rutschig und überraschend warm. Kid Mohair ist weich und seidig, das Haar ausgewachsener Tiere gröber und griffiger, bis es auf empfindlicher Haut kratzt. |
|---|---|
| Aussehen | Intensiver, fast seidiger Glanz und ein langer, luftiger Halo aus Haaren, die sich vom Faden lösen: Gegen das Licht betrachtet lässt diese glänzende Wolke keinen Zweifel. |
| Verhalten | Es wärmt sehr, obwohl es kaum etwas wiegt, und füllt das Kleidungsstück mit Luft, findet aber schlecht in Form zurück: Es hat wenig elastisches Gedächtnis, die Haare verhaken sich untereinander, und ein fertiges Gestrick ist fast unmöglich wieder aufzutrennen. |
| Brennprobe | Protein-Signatur: Es brennt langsam und erlischt von selbst, riecht nach verbranntem Haar und hinterlässt ein schwarzes, bröseliges Kügelchen, wie Wolle. |
| Proben zu Hause | Gegenlichtprobe: Der lange, glänzende Halo, der sich vom Faden abhebt, ist unverwechselbar · Brennprobe: langsame Flamme, erlischt von selbst, Geruch nach verbranntem Haar, bröselige Asche · Feinheitsprobe: Kid ist am Hals weich, das Haar ausgewachsener Tiere kratzt |
| Verwechselbar mit | Wolle und andere Tierfasern in der Flamme (dieselbe Protein-Signatur): Unterscheiden lassen sie sich am glänzenden Halo, nicht an der Flamme · Gebürstetes Polyacryl, das sein Haar nachahmt: schmilzt aber in der Flamme zu einem harten Kügelchen und fühlt sich kalt an |
| Nur im Labor | Mohair sicher von Wolle zu trennen und Kid von ausgewachsenem Haar anhand der Feinheit zu unterscheiden, erfordert die Mikroskopie im Labor (ISO 17751). |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Niedrig | Forschung |
| Ausleiern | Niedrig (sehr leicht) | Forschung |
| Flaum | Extrem | Forschung |
| Filzneigung | Niedrig | Forschung |
| Feinheit (µm) | 25–45 | gemessen |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 13,0 | gemessen |
| typisches Einlaufen (%) | 0–6 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | 100–150 | gemessen |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Für die Berechnung des Gestricks
| Reibungskoeffizient (µ) | 0,3 | gemessen |
|---|---|---|
| Dichte (g/cm³) | 1,31 | gemessen |
| Elastizitätsmodul (GPa) | 4,0 | gemessen |
| spezifische Biegesteifigkeit (dyn·cm²/tex²) | 0,28 | Schätzung |
Geeignet für
flauschige, voluminöse Stücke · gebürstete Gestricke mit viel Halo · Mischungen für Wolke und Glanz · Plaids und auffällige Accessoires
Weniger geeignet für
Stücke, die sauber gekettelt werden sollen (der Halo verdeckt die Maschen) · Rippen und Bündchen, die in Form zurückfedern sollen · sehr empfindliche Haut (das Haar ausgewachsener Tiere kratzt)