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Fasern · Synthesefasern

Mikrofaser (ultrafeine Mischung Poly/Nylon)

Ultrafeine Synthetikfaser mit samtigem Griff und dem typischen Pfirsichhaut-Effekt: leicht, weich und glatt, wertvoll nicht durch das Material, sondern durch die extreme Feinheit des Filaments. Schön anzufassen, am besten in Mischungen.

Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

microfibre JapanItalienSüdkoreaChina
Erdöl
Erdöl

Geschichte

Die Mikrofaser entsteht aus der japanischen Forschung der Siebzigerjahre, als Toray die ersten hauchfeinen Filamente entwickelte, aus denen Materialien wie Ultrasuede hervorgingen; in Italien nahm dieselbe Technik in Alcantara Gestalt an. Von diesen wildlederartigen Oberflächen aus hat sich das ultrafeine Spinnen auf Strickwaren und Sportbekleidung ausgedehnt, wo Leichtigkeit und weicher Griff ihren Erfolg begründeten. Ein historisches Revier wie die Naturfasern hat sie nicht: Sie ist ein Kind der Petrochemie und des extrudierten Fadens, und ihre Geografie deckt sich mit der der großen technischen Textilhersteller.

Wie das Garn entsteht

Sie wird weder geschoren noch geerntet: Sie wird extrudiert. Das geschmolzene Polymer (Polyester und Polyamid) wird durch sehr feine Spinndüsen gepresst, oft im Bikomponenten-Verfahren, wobei das Filament anschließend gespalten oder herausgelöst wird, um Querschnitte unter einem Denier zu erhalten. Das Ergebnis ist ein Bündel so dünner Filamente, dass die Kontaktfläche bei gleichem Gewicht vervielfacht wird: daher der weiche Griff und die große Fähigkeit, Feuchtigkeit schnell zu transportieren und abzugeben. Der Faden kann als Endlosfilament bleiben oder zu Stapelfasern geschnitten und wie eine Naturfaser versponnen werden.

Warum sie geschätzt wird

Ihr Wert liegt in der Feinheit, nicht im Rohstoff. Der winzige Querschnitt schenkt eine samtige Berührung, ein fast nicht vorhandenes Gewicht und eine sehr dichte Oberfläche, die schnell trocknet und leicht bleibt. Im Gestrick bringt sie Weichheit und jenen zarten Pfirsichhaut-Effekt, der Mischungen geschmeidiger macht und steifere Garne auflockert, ohne das Kleidungsstück zu beschweren.

Färben

Sie wird spinngefärbt oder mit Dispersionsfarbstoffen bei hoher Temperatur gefärbt, die in das Polyester eindringen; der Polyamidanteil nimmt auch Säurefarbstoffe an. Das Ergebnis ist leuchtend und sehr licht- und waschecht, mit vollen, über die Zeit beständigen Tönen. Die doppelte Natur der Mischung kann, wenn sie nicht kontrolliert wird, zu einer leicht unterschiedlichen Farbaufnahme der beiden Fasern führen.

Pflege

Pflegeleicht: Wäsche in lauwarmem, nie kochendem Wasser, denn zu viel Hitze drückt den Pfirsichhaut-Effekt platt und kann das Kleidungsstück verformen. Ein heißes Bügeleisen verträgt sie nicht; gebügelt wird bei niedriger Temperatur oder mit leichtem Dampf. Sie verfilzt nicht und schrumpft nicht wie Wolle, neigt aber zu statischer Aufladung und hält Gerüche fest: Weichspüler und eine häufige, schonende Wäsche halten sie in bestem Zustand.

Lebensende

Sie ist nicht biologisch abbaubar: Als Synthetik bleibt sie lange in der Umwelt und gibt beim Waschen Mikroplastik ab, das ein Filterwaschbeutel zurückhalten hilft. Sie ist aber recycelbar, vor allem als reines Polyester; bei Mischungen aus Poly und Nylon ist die Trennung aufwendiger und schränkt die Rückgewinnung ein. Die nachhaltigste Wahl sind Versionen aus recyceltem Polyester und eine möglichst lange Nutzung.

Woran man sie erkennt

GriffSamtig und seidig, mit dem typischen Pfirsichhaut-Effekt: kühl und glatt unter den Fingern, sehr leicht, ohne die trockene Wärme von Wolle.
AussehenKompakte, gleichmäßige Oberfläche mit zartem, verschleiertem Glanz; keine natürliche Kräuselung, der Faden wirkt regelmäßig und ohne Halo.
VerhaltenSie fällt fließend und weich, gibt aber unter Zug nach und findet nur langsam in Form zurück: Das elastische Gedächtnis ist gering. Sie hält wenig Wärme, trocknet schnell und ist weniger atmungsaktiv als eine Naturfaser, sodass Feuchtigkeit eher auf der Haut bleibt.
BrennprobeSynthetik-Signatur: In der Flamme schmilzt sie und zieht sich zusammen, statt sauber zu brennen, tropft und bildet Tropfen, die zu einem Kügelchen erhärten, mit chemischem, süßlichem Plastikgeruch.
Proben zu HauseBrennprobe: schmilzt und tropft, hartes Kügelchen statt bröseliger Asche · Tastprobe: kühl und glatt, nie warm und trocken wie Wolle · Elastizitätsprobe: ziehen und loslassen; sie findet nur langsam in Form zurück
Verwechselbar mitWeiche Wolle und Baumwolle: Diese brennen aber in der Flamme und hinterlassen Asche, sie schmelzen nicht · Viskose und Modal: ähnlich kühler Griff, aber die Regeneratfasern brennen wie Zellulose
Nur im LaborDie Anteile von Polyester und Polyamid in der Mischung sicher zu bestimmen, erfordert eine chemische Laboranalyse (ISO 1833).

Physikalische Daten

EigenschaftWertQuelle
elastische ErholungNiedrigForschung
AusleiernMittelForschung
FlaumNiedrig (Pfirsichhaut-Effekt)Forschung
FilzneigungKeineForschung
Feinheit (µm)4–10Schätzung
Feuchtigkeitsaufnahme (%)0.4–4.5Forschung
typisches Einlaufen (%)0–5Schätzung
Stapellänge (mm)—Forschung

gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität

Geeignet für

leichte, weiche Stücke · Sport- und Funktionsstrick · Futter und hautnahe Lagen · Mischungen, die steife Garne weicher machen

Weniger geeignet für

Stücke, die in Form zurückfinden müssen · elastische Rippen und Bündchen · warme, atmungsaktive Strickwaren · Verwendung pur

Zertifizierungen

OEKO-TEX Standard 100bluesignGRS