Fasern · Chemiefasern
Lyocell / Tencel
Wiedergeborene Zellulose, sauber hergestellt: weich, glänzend und mit fließendem Fall, die umweltfreundlichste Form der Viskose. Sie hat wenig Elastizität und zeigt ihre Stärken deshalb eher in kühlen, fließenden Kleidungsstücken als in Rippenmustern.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Sie entsteht als Weiterentwicklung der Viskosefasern, aber mit einem anderen Verfahren: Der Holzzellstoff wird in einem organischen Lösungsmittel (Aminoxid) gelöst, das in einem nahezu geschlossenen Kreislauf zurückgewonnen und wiederverwendet wird, ohne die schwere Chemie der herkömmlichen Viskose. Die bekannteste Version trägt die Marke Tencel, heute im Handel ein Synonym für Lyocell bei Strickgarnen und hochwertigen Stoffen.
Wie das Garn entsteht
Das Holz wird zu Zellstoff verarbeitet und gelöst, sodass eine Zelluloselösung entsteht, die durch Spinndüsen extrudiert wird; die so entstehenden Endlosfilamente werden für das Spinnen meist zu Stapelfasern geschnitten. Sie wird weder geschoren noch gekämmt wie Tierfasern: Feinheit und Länge werden bei der Herstellung festgelegt, und genau daher kommt der glatte, gleichmäßige Charakter des Fadens.
Warum sie geschätzt wird
Sie vereint Eigenschaften, die sonst selten zusammengehen: den kühlen, glänzenden Griff einer edlen Pflanzenfaser, einen fließenden Fall, der wunderbar drapiert, und eine beachtliche Festigkeit auch im nassen Zustand, höher als bei Viskose. Dazu kommt ein gutes Feuchtigkeitsmanagement, das sie in Sommer- und Übergangsstücken angenehm auf der Haut macht.
Färben
Hervorragend. Als reine Zellulose nimmt sie Reaktiv- und Direktfarbstoffe sehr gut an, mit tiefen, leuchtenden und gleichmäßigen Farben. Die glatte Oberfläche steigert die Sättigung und verleiht gefärbten Garnen einen seidigen Glanz, der mit matteren Fasern schwer zu erreichen ist.
Pflege
Sie will behutsam behandelt werden: Handwäsche oder Schonprogramm in kaltem Wasser, ohne starkes Verdrehen, und liegend trocknen, denn nass gibt sie nach und dehnt sich. Bei Reibung neigt sie an der Oberfläche zu leichter Fibrillierung, was einen feinen Pfirsichhaut-Effekt oder leichtes Pilling erzeugen kann: Abrieb und aggressives Schleudern besser vermeiden.
Lebensende
Sie ist Zellulose aus Holz und, wenn nicht mit synthetischen Fasern gemischt, biologisch abbaubar und kompostierbar. Die Herkunft aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern und das Verfahren mit zurückgewonnenem Lösungsmittel machen sie zu einer der nachhaltigsten Wahlen unter den Regeneratzellulosefasern.
Woran man sie erkennt
| Griff | Weich, kühl und glatt, mit einem fast seidigen Gleiten und einem kühleren Griff als Tierfasern. Sie hat keine elastische Spannkraft: Unter den Fingern fühlt sie sich nachgiebig und entspannt an. |
|---|---|
| Aussehen | Glänzend und gleichmäßig, mit seidigem Schimmer und ohne sichtbare Kräuselung. Der Faden wirkt regelmäßig und kompakt, ohne wolligen Halo. |
| Verhalten | Sie fällt fließend und schwer, drapiert sehr gut, findet aber nach dem Dehnen kaum in Form zurück; nass dehnt sie sich und muss liegend wieder in Form gebracht werden. Sie knittert mehr als Synthetik, aber weniger als Leinen. |
| Brennprobe | Zellulose-Signatur: Sie brennt schnell mit offener Flamme, riecht nach verbranntem Papier oder Holz und hinterlässt wenig graue, bröselige Asche, ohne zu einem Kügelchen zu schmelzen. |
| Proben zu Hause | Brennprobe: schnelle Flamme, Geruch nach verbranntem Papier, leichte Asche ohne geschmolzenes Kügelchen · Nasser Zugtest: Die Faser wird schwächer und dehnt sich, ein Zeichen für Zellulose · Tastprobe: kühl, glatt und rutschig, ohne die elastische Spannkraft von Wolle |
| Verwechselbar mit | Viskose, im Griff fast identisch, aber nass schwächer und weniger abriebfest · Seide, wegen Glanz und Kühle; Seide zeigt beim Brennen aber eine Protein-Signatur und riecht nach verbranntem Haar |
| Nur im Labor | Lyocell, Viskose, Modal und Baumwolle sicher auseinanderzuhalten, erfordert das Labor, denn alle sind Zellulose und zeigen beim Brennen dieselbe Signatur: Es braucht Mikroskopie und chemische Analyse (ISO 1833). |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Keine | Forschung |
| Ausleiern | Hoch | Forschung |
| Flaum | Keine | Forschung |
| Filzneigung | Keine | Forschung |
| Feinheit (µm) | 11–15 | Schätzung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 11,5 | Forschung |
| typisches Einlaufen (%) | 0–8 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | 38–40 | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Geeignet für
fließende, drapierte Stücke · kühle Sommerstrickwaren · Tops und Kleider mit schönem Fall · Mischungen mit Baumwolle oder Wolle für mehr Weichheit und Gleiten
Weniger geeignet für
Rippen und Bündchen, die in Form zurückfinden müssen · Stücke, die viel elastisches Gedächtnis brauchen · Strukturen, die Gewicht tragen müssen, ohne nachzugeben