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Fasern · Tierfasern

Lama

Die robuste Cousine des Alpakas: warm, weich und leicht, mit fließendem, vollem Fall. Sie hat wenig elastisches Gedächtnis und neigt daher zum Ausdehnen: Am besten wirkt sie in Kleidungsstücken, die fallen sollen, nicht in solchen, die in Form zurückfinden müssen.

Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

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Lama
Lama

Geschichte

Vor über viertausend Jahren von den Kulturen vor den Inka im Andenhochland domestiziert, war das Lama zuallererst ein Lasttier: Es trug Lasten über die Pfade der Anden, während sein Vlies Hirten und Bauern kleidete. Bis heute liegt das Herz der Produktion auf dem Hochland zwischen Peru und Bolivien, wo die Faser in denselben Handelswegen läuft wie Alpaka, mit dem sie oft gemeinsam verarbeitet und sortiert wird.

Wie das Garn entsteht

Sie wird durch Schur gewonnen, traditionell alle zwei Jahre. Das Rohvlies ist zweischichtig: feine, warme Unterwolle, vermischt mit gröberen, steifen Grannenhaaren (Kemp). Der entscheidende Schritt ist das Entgrannen, also das Trennen der wertvollen Unterwolle von den Deckhaaren: Nur der feine Anteil, anschließend kardiert oder gekämmt, ergibt die weichen Garne, die sich zum Stricken eignen.

Warum sie geschätzt wird

Sie ist warm und sehr leicht, weil viele ihrer Fasern markhaltig, also innen hohl sind: Sie schließen Luft ein und isolieren, ohne zu beschweren. Ohne Lanolin ist sie weich auf der Haut und wird auch von Menschen gut vertragen, die Schafwolle als kratzig empfinden. Die geringe Kräuselung nimmt ihr Elastizität, schenkt ihr dafür aber einen weichen Fall und eine schöne Drapierung.

Färben

Das Keratin nimmt Säurefarbstoffe gut an, mit guter Echtheit und Gleichmäßigkeit. Historisch hat sich das Lama aber vor allem in seinen eigenen Naturfarben gekleidet, die von Weiß über Beige, Rotbraun und Braun bis zu Grau und Schwarz reichen: eine erdige Palette, die in der andinen Tradition oft ungefärbt verwebt wird.

Pflege

Sie will behutsam behandelt werden: Handwäsche in kaltem Wasser mit neutralem Waschmittel und liegend trocknen, das Kleidungsstück dabei stützen, damit das Gewicht des Wassers es nicht in die Länge zieht. Die Filzneigung ist mäßig, geringer als bei Schafwolle, aber vorhanden: Wärme, Reibung und Temperaturwechsel sind zu vermeiden. Die feine Faser neigt an Reibstellen zu leichtem Pilling.

Lebensende

Sie ist eine natürliche Proteinfaser: am Ende ihrer Nutzung biologisch abbaubar und kompostierbar, sofern sie nicht mit synthetischen Fasern gemischt ist. Sie eignet sich für mechanisches Recycling und, bei ungefärbten Rohgarnen, für Upcycling zu neuen Kleidungsstücken und Heimtextilien.

Woran man sie erkennt

GriffWeich, trocken und warm, ohne das fettige Gefühl von Lanolin. Die entgrannte Unterwolle gleitet seidig; vereinzelte steifere Grannenhaare spürt man bei weniger raffinierten Garnen unter den Fingern.
AussehenDezenter Glanz, etwas stumpfer als bei Alpaka, mit geringer, unregelmäßiger Kräuselung. Bei Rohgarnen sieht man die schattierten Naturfarben und manchmal die helleren, glänzenden Deckhaare.
VerhaltenSie fällt weich und drapiert fließend, hat aber wenig elastische Rückstellung: Unter Zug oder unter dem eigenen Gewicht dehnt sie sich und findet nicht ganz in Form zurück. Sie hält die Wärme sehr gut und knittert wenig.
BrennprobeProtein-Signatur: Sie brennt langsam und erlischt von selbst, riecht nach verbranntem Haar oder Horn und hinterlässt ein schwarzes, bröseliges Kügelchen, das zwischen den Fingern zerfällt.
Proben zu HauseBrennprobe: langsame Flamme, erlischt von selbst, Geruch nach verbranntem Haar und bröselige Asche · Elastizitätsprobe: ziehen und loslassen; Lama geht nur teilweise in Form zurück und bleibt etwas gedehnt · Lanolinprobe: Sie fühlt sich trocken an, ohne den fettigen Film, der für Schafwolle typisch ist
Verwechselbar mitAlpaka, von Hand und beim Brennen kaum zu unterscheiden: Lama ist im Durchschnitt etwas gröber und hat mehr Grannenhaar · Schafwolle, die aber elastischer, stärker gekräuselt und leicht fettig vom Lanolin ist · Polyacryl, das ihren Fall nachahmt: schmilzt aber in der Flamme zu einem harten Kügelchen und fühlt sich kalt an
Nur im LaborLamafaser sicher von Alpaka zu unterscheiden und ihre Feinheit in Mikron sowie den Anteil an Grannenhaar zu messen, erfordert die Mikroskopie im Labor (ISO 17751).

Physikalische Daten

EigenschaftWertQuelle
elastische ErholungNiedrigForschung
AusleiernHoch (ähnlich wie Alpaka)Forschung
FlaumNiedrigForschung
FilzneigungMittelForschung
Feinheit (µm)20–35Forschung
Feuchtigkeitsaufnahme (%)13,0Forschung
typisches Einlaufen (%)0–8Schätzung
Stapellänge (mm)80–150Forschung

gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität

Geeignet für

Stücke mit fließendem Fall · weiche Tücher und Stolen · warme, leichte Strickwaren · nicht anliegende Mäntel und Jacken

Weniger geeignet für

Rippen und Bündchen, die eng halten sollen · anliegende Stücke, die in Form zurückfinden müssen · sehr elastische Strickwaren