Fasern · Pflanzenfasern
Leinen
Kühl, mit einem schönen trockenen Fall und einer Steifigkeit, die mit Charakter knittert: die Sommerfaser schlechthin. Erwarte keine Elastizität, sondern ein Material, das mit jeder Wäsche weicher und mehr zu deinem eigenen wird.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Es ist die älteste Textilfaser, die wir kennen: Spuren davon finden sich in den Binden ägyptischer Mumien und in Funden, die Tausende Jahre alt sind. Europäischer Flachs, angebaut im Küstenstreifen zwischen Belgien, der Normandie und den Niederlanden, ist bis heute der weltweite Qualitätsmaßstab, begünstigt durch ein feuchtes, mildes Klima, das ideal für die Röste ist. In Italien wird die Tradition von historischen Spinnereien wie dem Linificio e Canapificio Nazionale bewahrt.
Wie das Garn entsteht
Leinen ist eine Bastfaser: Es wird aus dem Stängel der Pflanze gewonnen, nicht aus dem Samen und nicht aus einem Vlies. Nach der Ernte bleiben die Stängel zur Feldröste (retting) liegen, damit Bakterien die Stoffe lösen, die die Fasern zusammenhalten; es folgen das Brechen und Schwingen, das den holzigen Teil zerkleinert, und das Hecheln, das die lange, wertvolle Faser (line) vom kürzeren, gröberen Werg (tow) trennt. Aus der Langfaser entstehen die feinsten und gleichmäßigsten Garne.
Warum sie geschätzt wird
Es verbindet Kühle, Festigkeit und Atmungsaktivität wie keine andere Pflanzenfaser. Es leitet Wärme und Feuchtigkeit vom Körper ab und fühlt sich deshalb immer kühl an, und es gehört zu den nachhaltigsten Fasern: Die Pflanze braucht wenig Wasser und wenig chemische Behandlung. Selbst das Knittern ist zu einem ästhetischen Vorzug geworden, zur Handschrift eines lebendigen, natürlichen Materials.
Färben
Als Zellulose nimmt es Reaktiv- und Direktfarbstoffe gut an, mit guter Waschechtheit. Die Farbe wirkt jedoch etwas weniger leuchtend und gesättigt als bei merzerisierter Baumwolle, bedingt durch den matten, unregelmäßigen Glanz der Faser: Die Töne wirken gedämpfter und natürlicher, was einen Teil seines Reizes ausmacht.
Pflege
Sehr robust und waschbar, gehört Leinen zu den wenigen Materialien, die mit dem Gebrauch besser werden: Jede Wäsche macht es weicher und nimmt ihm die anfängliche Steifigkeit. Es verfilzt nicht und neigt nicht zu Pilling. Es knittert entschieden, und es ist besser, das hinzunehmen als dagegen anzukämpfen; wer es glatt haben will, bügelt es noch leicht feucht. Nass ist es sogar fester als trocken, das Waschen macht ihm also nichts aus.
Lebensende
Vollständig biologisch abbaubar und kompostierbar, sofern es nicht mit synthetischen Fasern gemischt ist, gehört es zu den vorbildlichsten Entscheidungen im Kleiderschrank. Von der Pflanze wird jeder Teil verwertet, auch der Samen, und die Fasern lassen sich am Ende recyceln oder kehren ohne beständige Rückstände in den Boden zurück.
Woran man sie erkennt
| Griff | Beim ersten Anfassen kühl und fast knackig, mit einer trockenen Steifigkeit, die durch Tragen und Waschen sichtlich weicher wird. Es vermittelt ein deutliches Gefühl von Kühle, weil es die Wärme der Haut schnell ableitet. |
|---|---|
| Aussehen | Unregelmäßiger Faden mit kleinen Knötchen und deutlich sichtbaren Verdickungen entlang der Länge: Sie sind sein Erkennungszeichen. Die Oberfläche ist matt, aber von einem leichten Glanz durchzogen, und bildet weder Halo noch Flaum. |
| Verhalten | Praktisch unelastisch: Gezogen geht es nicht zurück, es knickt und bleibt geknickt und knittert deutlich. Es fällt steif und skulptural, hält Falten gut und ist überraschend fest, nass sogar noch mehr. |
| Brennprobe | Zellulose-Signatur: Es brennt schnell mit offener Flamme, riecht nach verbranntem Papier oder Laub, hinterlässt eine weiterglimmende Glut und eine graue, leichte Asche, ohne harte Kügelchen zu bilden. |
| Proben zu Hause | Knitterprobe: Es knickt und bleibt geknickt, glättet sich nicht von selbst · Kühle beim Anfassen: Es fühlt sich immer kühl an und leitet die Wärme schnell ab · Nasser Zugtest: Leinen wird fester, Wolle dagegen schwächer |
| Verwechselbar mit | Baumwolle: Leinen ist aber kühler, steifer, glänzender und knittert viel stärker · Hanf: von Hand kaum zu unterscheiden, teilt Kühle und Steifigkeit |
| Nur im Labor | Unter dem Mikroskop zeigt die Faser charakteristische Knoten und ein typisches inneres Lumen, doch Leinen sicher von Hanf zu unterscheiden bleibt selbst im Labor schwierig (ISO 1833 für die Zusammensetzung). |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Keine (steif) | Forschung |
| Ausleiern | Niedrig (hält Falten gut) | Forschung |
| Flaum | Keine | Forschung |
| Filzneigung | Keine | Forschung |
| Feinheit (µm) | — | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 12,0 | Forschung |
| typisches Einlaufen (%) | 3–10 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | 200–900 | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Für die Berechnung des Gestricks
| Reibungskoeffizient (µ) | 0,3 | gemessen |
|---|---|---|
| Dichte (g/cm³) | 1,5 | gemessen |
| Elastizitätsmodul (GPa) | 55,0 | gemessen |
| spezifische Biegesteifigkeit (dyn·cm²/tex²) | 1,1 | Schätzung |
Geeignet für
kühle, atmungsaktive Sommerstücke · strukturierter, trockener Fall · Leinen-Baumwoll-Mischungen · Stücke, die mit dem Tragen besser werden sollen
Weniger geeignet für
elastische Strickwaren und Stücke, die in Form zurückfinden müssen · feste Rippen und Bündchen · weicher, fließender Fall (besser Seide) · maximale Winterwärme