Fasern · Pflanzenfasern
Kapok
Eine der leichtesten Fasern überhaupt: hohl, kaum spürbar und voller Luft, glatt wie Seide, aber sehr kurz und brüchig. Allein lässt sie sich kaum verspinnen; man mischt sie bei, um Volumen und Wärme zu gewinnen, ohne Gewicht hinzuzufügen.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Sie wird aus der Frucht der Ceiba pentandra gewonnen, des großen tropischen Baums, der auch Kapokbaum oder Seidenwollbaum heißt und von Java über Westafrika bis nach Mittelamerika verbreitet ist. Das ganze 20. Jahrhundert hindurch war sie die Füllwatte schlechthin für Kissen, Matratzen und vor allem Schwimmwesten und Rettungsringe: Ihr Auftrieb machte sie zu einem strategischen Material, bevor es synthetische Schaumstoffe gab. Heute kehrt sie in Mischgarnen zurück, als natürliche und leichte Alternative zu synthetischen Füllungen.
Wie das Garn entsteht
Sie wird weder geschoren noch wie Baumwolle ausgesät: Die reifen Kapseln öffnen sich und geben einen Flaum frei, der die Samen umhüllt; er wird von Hand gesammelt und von den Samen getrennt. Die Faser ist bereits fertig, hohl und mit einem natürlichen Wachs überzogen, aber zu kurz, zu glatt und ohne Kräuselung, um rein versponnen zu werden: Sie wird kardiert und mit längeren Fasern gemischt, die ihr Halt geben, während sie selbst Volumen und Leichtigkeit beisteuert.
Warum sie geschätzt wird
Ihr Geheimnis ist der Hohlraum im Inneren: Jede Faser ist ein kleines, mit Luft gefülltes Röhrchen. Das macht sie sehr leicht, gut isolierend und fähig, das Gestrick aufzubauschen, ohne es zu beschweren. In einer Mischung genügt schon ein kleiner Anteil Kapok für ein warmes, weiches und luftiges Kleidungsstück mit jenem kühlen, seidigen Griff, den gewöhnlichere Fasern nicht haben.
Färben
Das ist ihre Schwachstelle. Das Wachs auf der Faser macht sie wasserabweisend und schwer zugänglich für wasserlösliche Farbstoffe, sodass die Färbung matter und ungleichmäßiger ausfällt als bei Baumwolle. In der Praxis färbt man die tragende Faser der Mischung oder nimmt den warmen Naturton zwischen Beige und Honig hin, den Kapok mitbringt.
Pflege
Sie will behutsam behandelt werden, denn sie ist brüchig und drückt sich leicht platt: Handwäsche in kaltem Wasser, nicht auswringen und nicht stark schleudern, liegend trocknen. Das natürliche Wachs schützt sie vor Feuchtigkeit, nutzt sich aber bei aggressiven Wäschen ab, wodurch die Weichheit mit der Zeit nachlässt. Besser selten waschen und gut lüften.
Lebensende
Als pflanzliche Zellulosefaser ist sie am Ende ihrer Nutzung biologisch abbaubar und kompostierbar, zumal sie in der Regel keine schweren Ausrüstungen trägt. Mechanisches Recycling ist wegen der geringen Länge und der Brüchigkeit der Flocke kaum üblich: Der naheliegende Weg bleibt die Kompostierung oder die Weiterverwendung als lose Füllung.
Woran man sie erkennt
| Griff | Überraschend leicht, beim Anfassen fast nicht zu spüren, glatt und kühl wie Seide. Sie fühlt sich nicht warm an wie Wolle: Der Eindruck ist luftig und glatt. |
|---|---|
| Aussehen | Glänzend und seidig, in einem warmen Naturton zwischen Beige und Honig, ohne Kräuselung: Die Fasern sind gerade, glänzend und sehr fein. |
| Verhalten | Sie hat kein elastisches Gedächtnis und findet nicht in die Form zurück: Sie lässt sich leicht zusammendrücken und plattdrücken. Für ihr Gewicht isoliert sie sehr gut und schwimmt dank des Wachses, statt Wasser aufzunehmen, stößt sie es ab. |
| Brennprobe | Zellulose-Signatur: Sie fängt schnell mit offener Flamme Feuer, riecht nach verbranntem Papier oder Holz und hinterlässt eine graue, leichte Asche ohne geschmolzenes Kügelchen. |
| Proben zu Hause | Brennprobe: schnelle Flamme, Geruch nach verbranntem Papier, bröselige Asche · Gewichtsprobe: Ein voller Bausch wiegt in der Hand fast nichts · Wasserprobe: Die Flocke schwimmt und bleibt an der Oberfläche trocken |
| Verwechselbar mit | Baumwolle, die beim Brennen ebenfalls Zellulose zeigt; Baumwolle ist aber schwerer, matter und nimmt Wasser sofort auf · Pflanzenseide und andere glänzende Füllfasern; Kapok ist aber hohl und schwimmt |
| Nur im Labor | Um Kapok sicher zu bestimmen und von Baumwolle oder anderen Zellulosefasern zu unterscheiden, braucht es die Mikroskopie im Labor, die den hohlen Querschnitt und die sehr dünne Wand zeigt. |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Keine | Forschung |
| Ausleiern | Hoch (keine elastische Rückstellung) | Forschung |
| Flaum | Niedrig | Forschung |
| Filzneigung | Keine | Forschung |
| Feinheit (µm) | 10–30 | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 10,0 | Forschung |
| typisches Einlaufen (%) | — | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | 8–30 | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Geeignet für
voluminöse, leichte Mischungen · warme, aber federleichte Kleidungsstücke · weiche Füllungen · Effektgarne mit kühlem Griff
Weniger geeignet für
reine, strapazierfähige Garne · elastische Rippenmuster und Bündchen · stark beanspruchte oder oft gewaschene Stücke · tiefe, gleichmäßige Farbtöne