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Fasern · Pflanzenfasern

Jute

Die rustikale, rohe Faser der Verpackungen und Taschen: preiswert, robust und mit viel Stand, aber rau auf der Haut. Sie ist für Gegenstände gemacht, die von allein stehen sollen, nicht für Kleidungsstücke mit Hautkontakt.

Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

jute Corchorus olitorius, Corchorus capsularis BangladeschIndienChinaThailand
Jute
Jute

Geschichte

Sie ist die Faser des Gangesdeltas zwischen Bangladesch und dem indischen Bengalen, wo das feuchtwarme Klima und die jährlichen Überschwemmungen der Pflanze ideale Bedingungen bieten. Im 19. Jahrhundert setzte sich die maschinelle Verarbeitung in Dundee in Schottland durch, das zur Welthauptstadt des Jutesacks wurde; heute ist die Lieferkette fast vollständig auf den indischen Subkontinent zurückgekehrt, wo Kalkutta der große Leitmarkt bleibt.

Wie das Garn entsteht

Sie stammt nicht aus einem Vlies, sondern aus dem Stängel der Pflanze: Sie ist eine Bastfaser, also aus der inneren Rinde gewonnen. Die Stängel werden im Wasser geröstet (die Röste, englisch Retting), was die Pektine löst und die Faserbündel freilegt; diese werden dann geschält, gewaschen, getrocknet und schließlich gekämmt und versponnen. Das Ergebnis ist ein langes, glänzendes, sprödes Garn, das eher einer Kordel als einem weichen Knäuel gleicht.

Warum sie geschätzt wird

Ihr Wert ist nicht die Weichheit, sondern die Substanz. Sie gehört zu den preiswertesten Naturfasern mit dem höchsten Ertrag pro Hektar, wächst schnell ohne großen Chemieeinsatz und ergibt ein Garn, das die Form hält und nicht in sich zusammenfällt. Für Körbe, strukturierte Taschen, Beutel und Wohnaccessoires ist sie genau das Richtige: Stand, Halt und eine rohe Oberfläche mit ausgeprägtem Charakter.

Färben

Die Cellulose nimmt Direkt- und Reaktivfarbstoffe gut an, doch die Naturfarbe der Faser ist ein warmes Goldbeige, das die Farben dämpft: Erdige und natürliche Töne gelingen am besten, helle, leuchtende Farben erfordern vorheriges Bleichen. Unter Lichteinwirkung neigt Jute zudem mit der Zeit zum Vergilben.

Pflege

Wasser und anhaltende Feuchtigkeit schaden ihr: Nass verliert sie an Spannkraft und kann Schimmel und Geruch entwickeln, deshalb trocken oder mit einem leicht angefeuchteten Tuch reinigen, nie im Wasser eintauchen. An einem trockenen, gut belüfteten Ort aufbewahren, fern von direkter Sonne, die sie vergilben und spröde werden lässt. Anfangs gibt sie etwas Flaum und ein paar Halmstückchen ab, was mit dem Gebrauch nachlässt.

Lebensende

Sie ist reine, naturbelassene Cellulose: vollständig biologisch abbaubar und kompostierbar, sofern sie nicht beschichtet oder mit Kunststoffen kaschiert ist. Am Ende ihrer Lebensdauer kehrt sie in wenigen Monaten in den Boden zurück und wird gerade deshalb oft als natürliche Alternative zu Kunststoffsäcken genannt.

Woran man sie erkennt

GriffRau, trocken und steif, ausgesprochen kratzig auf der Haut. In der Hand erinnert sie eher an ein Seil oder Rohleinen als an einen weichen Stoff, und sie ist kühl, nie warm.
AussehenWarmes Goldbeige mit einem für eine so rustikale Faser überraschend seidigen Glanz. Die Oberfläche ist unregelmäßig, mit Noppen und Dickenschwankungen, die ihre rohe pflanzliche Herkunft verraten.
VerhaltenKein elastisches Rückstellvermögen: gedehnt bleibt sie gedehnt, und geknickt zeichnet sie Falten und knittert. Sie trägt Gewicht und behält die Struktur, fällt aber nicht und findet nicht in Form zurück.
BrennprobeCellulose-Signatur: brennt schnell mit lebhafter, gelber Flamme, riecht nach verbranntem Papier oder Holz und hinterlässt leichte, graue, bröselige Asche ohne hartes Kügelchen.
Proben zu HauseBrennprobe: schnelle Flamme, Geruch nach verbranntem Papier, bröselige Asche · Elastizitätsprobe: dehnen und loslassen, Jute findet nicht in Form zurück · Nassdehnung: Wie andere Pflanzenfasern wird sie feucht schwächer
Verwechselbar mitHanf und rohes Leinen: ähnliche Bastfasern, aber heller, feiner und wasserbeständiger · Sisal und Kokosfaser: andere Fasern für Tauwerk, aber steifer und holziger im Griff
Nur im LaborJute sicher von anderen Bastfasern (Hanf, Leinen, Kenaf) zu unterscheiden und ihre Feinheit zu messen, erfordert die Mikroskopie im Labor (ISO 17751) oder eine chemische Analyse (ISO 1833).

Physikalische Daten

EigenschaftWertQuelle
elastische ErholungKeineForschung
AusleiernNiedrigForschung
FlaumKeineForschung
FilzneigungKeineForschung
Feinheit (µm)40–90Forschung
Feuchtigkeitsaufnahme (%)13,7Forschung
typisches Einlaufen (%)0–8Schätzung
Stapellänge (mm)1500–3000Forschung

gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität

Geeignet für

strukturierte Taschen und Beutel · Körbe und Behälter · Wohnaccessoires · Gegenstände, die von allein stehen sollen

Weniger geeignet für

Kleidungsstücke mit Hautkontakt · elastische Strickware · weicher Fall · Gegenstände, die Wasser ausgesetzt sind

Zertifizierungen

GOTSOEKO-TEX