Fasern · Pflanzenfasern
Hanf
Äußerst robust und kühl, anfangs steif und fast holzig, wird aber mit jeder Wäsche weicher. Die zäheste Pflanzenfaser: ideal für strukturierte Kleidungsstücke und Accessoires, die lange halten sollen, weniger für Weiches auf der Haut beim ersten Tragen.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Eine uralte Faser, über Jahrtausende das Rückgrat von Segeln, Seilen, Netzen und robusten Stoffen: Ohne Hanf hätte es keine Seefahrt gegeben. Italien gehörte bis ins 20. Jahrhundert zu den größten Erzeugern der Welt, und der Hanf aus Carmagnola und der Gegend um Bologna galt als einer der feinsten überhaupt. Nach langem Vergessen im 20. Jahrhundert erlebt er heute als nachhaltige Faser für Mode und Strickware eine Wiedergeburt.
Wie das Garn entsteht
Er wird wie Leinen durch Rösten (Retting) und Schwingen aus dem Stängel gewonnen: Der holzige Teil wird gebrochen und von den langen Bastfasern getrennt. Für feine Strickware wird die Faser oft cotonisiert, also gekürzt und verfeinert, bis sie sich wie Baumwolle verhält, damit sie sich dünn und gleichmäßig verspinnen lässt.
Warum sie geschätzt wird
Er verbindet eine außergewöhnliche Festigkeit mit einer sehr geringen Umweltbelastung: Er wächst schnell mit wenig Wasser, ohne Pestizide, und verbessert dabei den Boden. Er ist kühl und sehr atmungsaktiv, wirkt von Natur aus antibakteriell und geruchshemmend und hat die seltene Eigenschaft, mit dem Alter besser zu werden, weicher, ohne an Stand zu verlieren.
Färben
Als Cellulose lässt er sich wie Baumwolle und Leinen gut mit Reaktiv- und Direktfarbstoffen färben. Das Ergebnis ist eher matt und etwas gedämpfter als bei einer glänzenden Faser, mit schöner Tiefe in natürlichen und erdigen Tönen; historisch wurde er auch roh oder nur gebleicht verwendet.
Pflege
Sehr strapazierfähig und unbesorgt waschbar: Er ist sogar eines der seltenen Garne, die von Wäsche zu Wäsche besser werden, an Steifheit verlieren und an Weichheit gewinnen. Er verfilzt nicht und fusselt kaum. Wie alle Cellulosefasern knittert er leicht, daher am besten liegend trocknen oder noch feucht bügeln.
Lebensende
Am Ende seiner Lebensdauer vollständig biologisch abbaubar und kompostierbar, eine der Fasern mit der geringsten Umweltbelastung überhaupt. In Mischungen mit Baumwolle bleibt er leicht mechanisch recycelbar, pur zersetzt er sich rückstandslos.
Woran man sie erkennt
| Griff | Rustikal und kühl, rauer als Leinen und neu ziemlich steif; in der Hand bleibt er trocken und nie rutschig und wird mit Tragen und Waschen spürbar weicher. |
|---|---|
| Aussehen | Matt, mit wenig Glanz, eine grobe, leicht unregelmäßige Faser, die kleine Dickenschwankungen im Faden erkennen lässt. |
| Verhalten | Sehr fest und fast unelastisch: Er findet nach dem Dehnen nicht in Form zurück und hat keinen Flaum, ist aber sehr kühl, sehr atmungsaktiv und von Natur aus antibakteriell. Wie Leinen knittert er deutlich. |
| Brennprobe | Cellulose-Signatur: brennt schnell mit lebhafter Flamme, riecht nach verbranntem Papier oder Laub, hinterlässt leichte, graue Asche ohne geschmolzenes Kügelchen. |
| Proben zu Hause | Brennprobe: schnelle Flamme, Geruch nach verbranntem Papier, graue, bröselige Asche · Nassprobe: Wie Leinen bleibt er angefeuchtet fest oder wird fester, anders als Wolle · Steifheitsprobe: Neu ist er steifer und rauer als Leinen, mit fast papierartigem Griff |
| Verwechselbar mit | Leinen: fast identisch, aber Hanf ist meist rauer, steifer und noch fester · Baumwolle, wenn er cotonisiert ist: aber er bleibt kühler, zäher und weniger weich |
| Nur im Labor | Hanf sicher von Leinen zu unterscheiden, ist bekanntermaßen selbst im Labor schwierig und erfordert Mikroskopie und gezielte chemische Prüfungen (ISO 1833). |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Keine (äußerst steif) | Forschung |
| Ausleiern | Niedrig (wird mit dem Tragen weicher) | Forschung |
| Flaum | Keine | Forschung |
| Filzneigung | Keine | Forschung |
| Feinheit (µm) | — | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 12,0 | Forschung |
| typisches Einlaufen (%) | 3–10 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | 150–900 | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Geeignet für
robuste, strukturierte Sommerstücke · Taschen und Accessoires · Mischungen Hanf-Baumwolle und Hanf-Leinen · Stoffe und Stücke, die lange halten sollen
Weniger geeignet für
elastische Strickware mit rückstellenden Rippen · sehr weiche Stücke für die Haut beim ersten Tragen · sehr fließender Fall