Fasern · Synthesefasern
Elasthan / Spandex
Die elastische Seele der Garne: Ein einziger Faden, in eine Mischung eingearbeitet, gibt Badeanzügen, Leggings und Bündchen Halt und Rückstellkraft. Allein wird er fast nie verarbeitet, aber schon wenige Prozent verändern das Verhalten des ganzen Gestricks.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Es entsteht 1958 in den Laboren von DuPont, wo der Chemiker Joseph Shivers eine Polyurethanfaser entwickelt, die sich wie Gummi dehnt und zurückzieht, aber leichter und widerstandsfähiger ist. Sie kommt unter der Marke Lycra auf den Markt, während sich in den Vereinigten Staaten der Gattungsname Spandex (ein Anagramm von „expands“) durchsetzt und in Europa Elasthan. In wenigen Jahrzehnten verändert sie Sportbekleidung, Unterwäsche und moderne Miederwaren.
Wie das Garn entsteht
Sie ist eine vollsynthetische Faser, ein segmentiertes Polyurethan, das durch chemische Reaktion aus Erdöl gewonnen wird. Das Polymer wird zu Endlosfilamenten extrudiert, meist im Trockenspinnverfahren, bei dem das Lösungsmittel verdunstet und den elastischen Faden zurücklässt. Selten wird sie blank verwendet: Fast immer wird sie mit einer anderen Faser umsponnen oder verzwirnt (Core-Spun), sodass die elastische Seele in der Mitte verborgen bleibt und an der Oberfläche nur Wolle, Baumwolle oder die Begleitfaser zu sehen ist.
Warum sie geschätzt wird
Ihr Wert ist nicht ästhetisch, sondern funktional: Keine andere Faser hat ein so extremes Rückstellvermögen. Sie kann sich auf ein Mehrfaches ihrer Länge dehnen und kehrt zuverlässig in die Ausgangsform zurück, ohne nachzugeben oder auszuleiern. Schon in kleinsten Anteilen verwandelt sie ein starres Material in ein Stück, das dem Körper folgt, anliegt und sich an Ellbogen und Knien nicht ausweitet. Sie ist die Zutat, die Rippen, Bündchen und technische Stücke in Form hält.
Färben
Sie ist schwer zu färben und vergilbt mit der Zeit. Gerade deshalb wird sie in der Praxis kaum gefärbt: Da sie in der Mitte eines umsponnenen Fadens steckt, bleibt sie unsichtbar, und die Farbe nimmt die äußere Faser an, die sie umhüllt. Muss sie doch gefärbt werden, greift man zu Dispersions- oder Säurefarbstoffen, mit geringerer Echtheit als bei Naturfasern.
Pflege
Chlor, Hitze und Zeit setzen ihr zu: Bleichmittel bauen sie schnell ab, zu heißes Wasser und der Trockner rauben ihr das Rückstellvermögen, und mit den Jahren neigt sie zum Vergilben und Erschlaffen. Lauwarm mit Neutralwaschmittel waschen, ohne aggressive Weichspüler, und an der Luft fern von Wärmequellen trocknen. Gut behandelt behält sie ihren Halt lange.
Lebensende
Das ist die Schwachstelle dieser Faser: Sie ist nicht biologisch abbaubar und stammt aus Erdöl. Das Recycling wird dadurch erschwert, dass sie immer in Mischung mit anderen, schwer trennbaren Fasern vorliegt, sodass Stücke, die sie enthalten, selten in textile Recyclingkreisläufe gelangen. Es gibt erste Elasthane auf teilweise erneuerbarer oder recycelter Basis, doch sie bleiben vorerst eine Nische.
Woran man sie erkennt
| Griff | Für sich genommen eine elastische, gummiartige Faser, glatt und eher kühl in der Hand. In einem Garn erkennt man sie eher am Verhalten als am Griff: Das Garn „federt“ und dehnt sich mit einem weichen Widerstand, der es dann zurückholt. |
|---|---|
| Aussehen | Der blanke Faden ist dünn, glänzend und durchsichtig. In Mischungen ist er fast unsichtbar, weil er in der Mitte des umsponnenen Garns bleibt: Man ahnt ihn an der Art, wie das Gestrick straff und kompakt bleibt, ohne nachzugeben. |
| Verhalten | Extremes, sofortiges Rückstellvermögen: Man zieht, und sie schnellt zurück, ohne nachzugeben und ohne Flaum. Sie hält kaum Wärme, ihre Aufgabe liegt ganz im Anliegen und in der Formerholung, nicht im Wärmekomfort. |
| Brennprobe | Synthetik-Signatur: In der Flamme schmilzt sie und zieht sich zusammen, statt sauber zu brennen, riecht chemisch und süßlich und hinterlässt einen klebrigen Rückstand, der zu einem dunklen Kügelchen erhärtet. Sie erlischt nicht so klar von selbst wie Proteinfasern. |
| Proben zu Hause | Dehnprobe: dehnen und loslassen, sie schnellt in die Ausgangsform zurück, ohne verformt zu bleiben · Brennprobe: schmilzt und zieht sich zurück, süßlich-chemischer Geruch, klebriger, dann harter Rückstand · Probe des blanken Fadens: Ist das Garn umsponnen, kommt beim Herausziehen der äußeren Fasern ein elastischer, glänzender Faden in der Mitte zum Vorschein |
| Verwechselbar mit | Naturkautschuk oder Latex, die aber früher vergilben und austrocknen und sich klebriger anfühlen · Andere elastische Garne, bei denen die Arbeit trotzdem eine verborgene Elasthanseele leistet |
| Nur im Labor | Elasthan von anderen Elastomeren zu unterscheiden und seinen genauen Anteil in einer Mischung zu messen, erfordert eine chemische Laboranalyse (ISO 1833), denn mit dem Auge erkennt man nur, dass es vorhanden ist, nicht wie viel. |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Extrem | Forschung |
| Ausleiern | Keine | Forschung |
| Flaum | Keine | Forschung |
| Filzneigung | Keine | Forschung |
| Feinheit (µm) | — | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 1,2 | Forschung |
| typisches Einlaufen (%) | 3–8 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | — | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Geeignet für
elastische, anliegende Strickware · formstabile Rippen und Bündchen · Badeanzüge und Sportbekleidung · Leggings und Unterwäsche · Stücke, die dem Körper folgen sollen
Weniger geeignet für
Stücke mit weichem, fließendem Fall · pur zu verarbeitende Garne · Projekte, die Jahrzehnte halten sollen · Stücke, die Chlor und starker Hitze ausgesetzt sind