Fasern · Chemiefasern
Cupro / Bemberg (aus Baumwoll-Linters)
Die pflanzliche Seide: ein Filament aus regenerierter Cellulose, gewonnen aus Baumwollresten, seidig, kühl und glatt. Sie hat keinerlei Elastizität und kommt im fließenden Fall am besten zur Geltung, wo sie mit einem weichen Gewicht fällt, das elastische Fasern nicht haben.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Sie entsteht Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland, als die Spinnerei J.P. Bemberg in Wuppertal das Kupferoxid-Ammoniak-Verfahren vervollkommnet und daraus den bis heute bekanntesten Handelsnamen macht, Bemberg. Sie ist die feinste der historischen regenerierten Cellulosen und wird nach der Schließung der europäischen Werke heute fast ausschließlich in Japan hergestellt, wo sie ein hochwertiges Nischengarn für Futterstoffe und Stücke mit anspruchsvollem Fall bleibt.
Wie das Garn entsteht
Ausgangsstoff ist der Linter, der sehr kurze Flaum, der nach dem Egrenieren an den Baumwollsamen zurückbleibt und zu kurz ist, um wie Baumwolle versponnen zu werden. Diese fast reine Cellulose wird in einer Lösung aus Kupfer und Ammoniak gelöst, dann in einem Bad regeneriert, das sie ausfällt, und durch Spinndüsen zu einem sehr feinen Endlosfilament gepresst. Es ist ein Filament, keine Stapelfaser: Deshalb erinnert ihr Griff eher an Seide als an die Baumwolle, aus der sie stammt.
Warum sie geschätzt wird
Sie verbindet die Frische und Atmungsaktivität der Cellulose mit der seidigen Glätte des Endlosfilaments. Sie nimmt Feuchtigkeit gut auf und bleibt kühl auf der Haut, gleitet ohne Reibung und ist antistatisch: Eigenschaften, die sie seit jeher zum edlen Futterstoff schlechthin machen und in der Strickerei zu einer Faser, die Fall und weichen Glanz schenkt, wenn Geschmeidigkeit mehr zählt als Struktur.
Färben
Hervorragend. Als reine Cellulose bindet sie Direkt- und Reaktivfarbstoffe mit guter Brillanz und Gleichmäßigkeit, mit einem tiefen, satten Ergebnis, das die glatte Oberfläche des Filaments begünstigt. Die Farben wirken lebendig, und der seidige Schimmer hebt ihre Tiefe hervor.
Pflege
Eine empfindliche Faser: Nass verliert sie an Festigkeit, knittert leicht und läuft ein, weshalb viele Stücke chemisch gereinigt werden. Zu Hause von Hand in kaltem Wasser mit Neutralwaschmittel waschen, ohne zu verdrehen oder auszuwringen, und liegend fern von Wärme trocknen. Sie knittert leicht und gibt stark nach, deshalb liegend aufbewahren und nie aufhängen, damit sie sich nicht unter dem eigenen Gewicht längt.
Lebensende
Sie ist Cellulose und baut sich unter geeigneten Bedingungen wie andere Pflanzenfasern biologisch ab. Zudem stammt sie aus einem landwirtschaftlichen Reststoff, dem Linter, der sonst kaum genutzt würde: ein Vorsprung bei den Ressourcen, dem ein chemisches Verfahren gegenübersteht, das die Rückgewinnung der Lösungsmittel im Kreislauf erfordert.
Woran man sie erkennt
| Griff | Seidig, glatt und geschmeidig, kühl und fast kalt in der Hand wie eine Cellulosefaser, aber mit einer seidigen Glätte, die sie von Baumwolle unterscheidet. |
|---|---|
| Aussehen | Weicher, tiefer Glanz, nie gläsern, und ein fließender Fall mit Gewicht. Kein Flaum: Die Oberfläche ist sauber und geschlossen. |
| Verhalten | Fällt schwer und fließend, gibt unter dem eigenen Gewicht nach, längt sich und findet nach dem Dehnen nicht in Form zurück. Knittert, hält wenig Wärme und bleibt auf der Haut kühl. |
| Brennprobe | Cellulose-Signatur: entzündet sich schnell wie Papier, brennt mit lebhafter, gleichmäßiger Flamme, riecht nach verbranntem Papier oder Holz und hinterlässt leichte, graue, bröselige Asche ohne geschmolzenes Kügelchen. |
| Proben zu Hause | Brennprobe: schnelle Flamme wie bei Papier, Geruch nach verbranntem Papier, bröselige Asche · Nassdehnung: Die Cellulose wird nass schwächer und gibt nach · Tastprobe: glatt, kühl und rutschig, ohne die Wärme und Elastizität der Wolle |
| Verwechselbar mit | Viskose und Modal: andere regenerierte Cellulosen, von Hand und in der Flamme fast identisch · Echte Seide: ähnlicher Griff, aber in der Flamme mit Protein-Signatur (Geruch nach Haar, bröseliges Kügelchen) · Acetat: wirkt seidig, schmilzt und tropft aber in der Flamme, was Cupro nicht tut |
| Nur im Labor | Cupro sicher von seinen Cellulose-Verwandten (Viskose, Modal, Lyocell) zu trennen, erfordert das Labor: selektive Löslichkeit (ISO 1833) und Mikroskopie des Querschnitts, der bei Cupro rundlich und glatt ist. |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Keine | Forschung |
| Ausleiern | Hoch (ähnlich wie Seide) | Forschung |
| Flaum | Keine | Forschung |
| Filzneigung | Keine | Forschung |
| Feinheit (µm) | — | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 11,0 | Forschung |
| typisches Einlaufen (%) | 3–8 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | — | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Geeignet für
fließender, kühler Fall · weiche Tops und Blusen · Futter und ungefütterte Stücke · kühle Sommerstücke · Mischungen für mehr Glätte und Glanz
Weniger geeignet für
elastische Rippen und Bündchen · Stücke, die in Form zurückfinden sollen · strukturierte Strickware und Reliefmuster · Muster, die Stand und Rückstellvermögen brauchen