Fasern · Pflanzenfasern
Baumwolle
Kühl, atmungsaktiv und überraschend robust: Baumwolle ist der Klassiker für die Übergangszeit. Sie hat keine Elastizität und ist nass schwer: Das Gestrick fällt und längt sich gern, aber die Farben bleiben leuchtend und der Griff ist auch zu empfindlicher Haut freundlich.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Seit Jahrtausenden im Industal und im alten Ägypten angebaut, wird Baumwolle mit Whitneys Entkörnungsmaschine (1793), die das Trennen der Faser von den Samen schnell macht, zum Motor der industriellen Revolution. Eine textile Wende bringt 1844 die Merzerisation von John Mercer: Die Behandlung mit Natronlauge gibt dem Faden seidigen Glanz, mehr Festigkeit und eine intensivere Farbaufnahme. Das Indigo des Denim bleibt ihr bekanntestes farbliches Erbe.
Wie das Garn entsteht
Nach der Ernte trennt das Egrenieren die Faser von den Samen; es folgt das Kardieren oder, für glatte, feste Garne, das feinere Kämmen. Gesponnen wird im Ringspinnverfahren (Ring-Spun, gleichmäßigerer, weicherer Faden) oder im Rotorspinnverfahren (Open-End, günstiger und voluminöser). Die Merzerisation ist ein optionaler Schritt, der Glanz und Leuchtkraft steigert. Die Garnfeinheit wird typischerweise in Ne angegeben, der englischen Baumwollnummer.
Warum sie geschätzt wird
Sie ist die Faser der Frische: Sie nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie ab, bleibt auch bei Hitze angenehm auf der Haut und wird von empfindlicher Haut gut vertragen. Anders als Tierfasern wird sie nass fester und verträgt daher häufige, kräftige Wäschen. Ihr voller Griff und die leuchtenden Farben machen sie zur natürlichen Wahl für Sommerstrickware.
Färben
Hervorragend, aber mit einer anderen Chemie als bei Wolle: Cellulose bindet keine Säurefarbstoffe, sondern wird mit Reaktiv-, Direkt- oder Küpenfarbstoffen gefärbt, wie dem historischen Indigo. Die Merzerisation öffnet die Faser und lässt die Farben leuchtender und voller hervortreten. Die Echtheit ist gut, mit tiefen Ergebnissen vor allem bei gekämmten und behandelten Garnen.
Pflege
Robust und auch heiß waschbar: Baumwolle verträgt Bewegung und verfilzt nicht. Bei der ersten Wäsche ist ein Relaxationsschrumpf durch die Spannungen aus dem Spinnen normal, deshalb lohnt es sich, Strang oder Maschenprobe vorzuwaschen, bevor man die Maße berechnet. Sie knittert leicht, und bei langen Stücken kann das Nassgewicht sie längen: besser liegend trocknen.
Lebensende
Als biologisch abbaubare Pflanzenfaser zersetzt sich reine Baumwolle, ohne Mikroplastik zu hinterlassen. Sie lässt sich mechanisch recyceln, auch wenn das Auffasern die Stapellänge verkürzt und die Qualität der Reißfaser senkt. Aus derselben Cellulose entstehen ihre künstlichen Verwandten, Viskose und Lyocell.
Woran man sie erkennt
| Griff | Kühl in der Hand, weich, aber „flach“ und ohne elastische Spannkraft. Merzerisiert wirkt sie glatter, kompakter und glänzender. |
|---|---|
| Aussehen | Von Natur aus matt, merzerisiert leuchtend, ohne jede sichtbare Kräuselung (Crimp): Gerade das Fehlen von Crimp erklärt das fehlende Rückstellvermögen. |
| Verhalten | Fällt und längt sich gern unter dem eigenen Gewicht, knittert leicht, hält wenig Wärme und ist nass fester als trocken. |
| Brennprobe | Cellulose-Signatur: brennt schnell mit gelber Flamme, riecht nach verbranntem Papier oder Laub, glüht nach und hinterlässt leichte, flockige graue Asche. |
| Proben zu Hause | Brennprobe: schnelle Flamme, Papiergeruch, anhaltendes Nachglühen und flockige Asche · Nassdehnung: Baumwolle wird fester, Tierfasern werden schwächer · Knitterprobe: geknickt bleibt sie geknickt, ohne in Form zurückzufinden |
| Verwechselbar mit | Leinen und Hanf: dieselbe Signatur in der Flamme, aber kühler, steifer und noch knitteranfälliger · Viskose: Cellulosefaser wie Baumwolle und in der Flamme ähnlich, aber glänzender und nass viel schwächer |
| Nur im Labor | Baumwolle von anderen Cellulosefasern (Leinen, Viskose) zu unterscheiden, erfordert die Mikroskopie, während die genaue Zusammensetzung von Mischungen durch chemische Trennung nach ISO 1833 bestimmt wird. |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Keine | Forschung |
| Ausleiern | Hoch (nass sehr schwer) | Forschung |
| Flaum | Keine | Forschung |
| Filzneigung | Keine | Forschung |
| Feinheit (µm) | — | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 8,5 | gemessen |
| typisches Einlaufen (%) | 3–8 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | 10–40 | gemessen |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Für die Berechnung des Gestricks
| Reibungskoeffizient (µ) | 0,29 | gemessen |
|---|---|---|
| Dichte (g/cm³) | 1,52 | gemessen |
| Elastizitätsmodul (GPa) | 8,0 | gemessen |
| spezifische Biegesteifigkeit (dyn·cm²/tex²) | 0,53 | gemessen |
Geeignet für
Sommer- und Übergangsstücke · Gestrick mit schönem Fall · empfindliche Haut und Babys · leuchtende Farben und Denim · häufig gewaschene Stücke
Weniger geeignet für
Rippen und Bündchen, die in Form zurückfinden sollen (ohne Elasthan leiern sie aus) · Stücke, die Wärme halten sollen · sehr lange Stücke, die sich längen könnten