Fasern · Pflanzenfasern
Kokosfaser (Coir)
Die steifste und rauste Faser des Pflanzenreichs, gewonnen aus der Hülle der Kokosnuss. Sie ist nicht zum Kleiden gemacht, sondern zum Standhalten: reine Struktur, für Fußmatten, Seile, Teppiche und Körbe, die lange halten sollen.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Die Kokosfaser begleitet seit Jahrhunderten die Schifffahrt und das Küstenhandwerk am Indischen Ozean: Coir-Seile hielten die genähten Boote der arabischen und indischen Küsten zusammen, lange vor den Ankertauen aus Hanf. Die industrielle Verarbeitung entsteht in Kerala in Indien, das zusammen mit Sri Lanka bis heute das weltweite Zentrum der Faser ist, zwischen dem Handspinnen der Fäden und den Webstühlen für Exportmatten.
Wie das Garn entsteht
Sie wird aus dem Mesokarp gewonnen, der Faserschicht zwischen der Außenhaut und der holzigen Schale der Nuss. Die Hüllen werden in Wasser geröstet (die traditionelle Röste, englisch Retting, dauert in den Brackwasserlagunen Monate), damit sich die weichen Teile lösen, dann geklopft und gekämmt, um die Fasern freizulegen. Weißes Coir stammt aus unreifen Nüssen und ist heller und nachgiebiger; braunes Coir stammt aus reifen Nüssen und ist dicker, steifer und widerstandsfähiger.
Warum sie geschätzt wird
Ihr Wert ist rein struktureller, nicht textiler Art. Sie gehört zu den ligninreichsten Naturfasern, derselben Substanz, die Holz steif macht: Das macht sie äußerst steif, fäulnisbeständig und außergewöhnlich widerstandsfähig gegen Salzwasser und Abrieb. Für Strickware hat sie weder Rückstellvermögen noch Weichheit, aber wo Halt, Rauheit und Haltbarkeit in feuchter Umgebung gefragt sind, ist sie unübertroffen.
Färben
Schwierig und wenig leuchtend. Der hohe Ligningehalt und die Grundfarbe, von Strohgelb bis Dunkelbraun, dämpfen die Farben: Meist wird sie naturbelassen oder in dunklen, deckenden Tönen verarbeitet. Historisch hat sich das braune Coir gerade deshalb durchgesetzt, weil seine warme Farbe keinerlei Färbung brauchte.
Pflege
Stehendes Süßwasser schadet ihr, weil es auf Dauer Schimmel begünstigt, während sie salzige Feuchtigkeit und den Einsatz im Freien sehr gut verträgt. Trocken reinigen durch Ausschütteln und Bürsten; nicht in die Waschmaschine geben und nicht verdrehen. Mit dem Gebrauch verliert sie einige raue Fasern an der Oberfläche, bildet aber keine weichen Fusseln wie Strickfasern.
Lebensende
Vollständig biologisch abbaubar und kompostierbar: Da sie fast nur aus Cellulose und Lignin besteht, kehrt sie rückstandslos in den Boden zurück. Sie wird im Garten- und Baumschulbereich vielfach wiederverwendet, als Kultursubstrat, Mulch und Erosionsschutznetz zur Befestigung von Böschungen und Dämmen.
Woran man sie erkennt
| Griff | Rau, trocken und kratzig, kühl und holzig in der Hand. Sie ist so steif, dass sie sich zwischen den Fingern nicht wie ein Garn biegen lässt: Sie verhält sich eher wie eine Borste oder ein Zweiglein. |
|---|---|
| Aussehen | Matt und ungleichmäßig, von Strohgelb bis Rotbraun, mit dicken, gelockten, unregelmäßigen Fasern, die mit bloßem Auge gut sichtbar sind. Kein Glanz, kein Flaum. |
| Verhalten | Kein elastisches Rückstellvermögen: geknickt bleibt sie geknickt. Sie knittert nicht im Sinne weicher Textilien, weil sie zu steif ist, um Falten zu bilden, und hält ihre Form aus reiner Härte, nicht aus Gedächtnis. |
| Brennprobe | Cellulose-Holz-Signatur: brennt mit lebhafter, gleichmäßiger Flamme, riecht nach verbranntem Papier und Holz und hinterlässt leichte, graue, bröselige Asche, ohne zu schmelzen oder sich zu einem Kügelchen zusammenzuziehen. |
| Proben zu Hause | Steifheitsprobe: Die Faser lässt sich nicht gefügig knoten, sie bricht eher, als sich zu biegen · Brennprobe: gleichmäßige Flamme, Geruch nach verbranntem Holz, graue, bröselige Asche · Salzwasserprobe: hält langem Eintauchen stand, ohne schwächer zu werden oder zu faulen |
| Verwechselbar mit | Palmfaser oder rohe Raffia: für das Auge ähnlich, aber biegsamer und beim Knicken weniger holzig · Sisal und andere Hartfasern für Tauwerk: glatter und gleichmäßiger, während Coir grob und wirr bleibt |
| Nur im Labor | Die Art zu bestätigen und sie von anderen Hartfasern (Sisal, Jute, Abaka) zu unterscheiden, erfordert die Mikroskopie im Labor und die Analyse des Ligningehalts (ISO 17751). |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Keine | Forschung |
| Ausleiern | Keine (äußerst steif) | Forschung |
| Flaum | Keine | Forschung |
| Filzneigung | Keine | Forschung |
| Feinheit (µm) | 100–450 | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 10,5 | Forschung |
| typisches Einlaufen (%) | — | Forschung |
| Stapellänge (mm) | 150–350 | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Geeignet für
Fußmatten und Matten · Seile und Tauwerk · robuste Teppiche · Körbe und steife Behälter · Substrate und Netze für den Garten
Weniger geeignet für
tragbare Kleidungsstücke · elastische Strickware · jeder Hautkontakt · Fall und Weichheit