Fasern · Tierfasern
Kamelhaar
Die luxuriöse Wärme der Steppe: eine sehr feine, federleichte Unterwolle in einem warmen, natürlichen Karamellton. Sie wärmt weit mehr, als ihr Gewicht vermuten lässt, neigt aber zum Verfilzen und will deshalb sanft behandelt werden.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Es ist die Faser des Trampeltiers, des Baktrischen Kamels, das die sehr strengen Winter auf der Hochebene zwischen Mongolei und China erlebt. Zum Schutz vor dem Frost bildet es ein doppeltes Fell: das grobe, wasserabweisende Deckhaar und die weiche Unterwolle (das Down), die den wertvollen Teil ausmacht. Über die Karawanenwege in den Westen gebracht, kam sie mit dem Ruf einer Wolle für Reisende und Nomaden an, und bis heute bleiben die Mongolei und die Innere Mongolei die Zuchtgebiete.
Wie das Garn entsteht
Es wird nicht geschoren: Im Frühjahr verliert das Kamel sein Haar auf natürliche Weise, und die Unterwolle wird während des Fellwechsels von Hand gesammelt oder ausgekämmt. Es folgt ein geduldiges Sortieren, um das feine Down vom rauen Grannenhaar zu trennen; nur der feinste und hellste Anteil wird zu hochwertigem Strickgarn. Daher rühren ihre Seltenheit und der hohe Preis.
Warum sie geschätzt wird
Ihr Verhältnis von Wärme zu Gewicht gehört zu den besten überhaupt: Sie isoliert wie wenige andere Fasern und bleibt dabei federleicht und luftig, weil das Down hohl ist und viel Luft einschließt. Der Griff ist weich, trocken und samtig, und der warme natürliche Karamellton braucht keine Färbung, um elegant zu sein.
Färben
Sie ist die am schwersten hell zu färbende Faser, weil ihr natürliches braunes Pigment zarte Töne überdeckt. Traditionell wird sie naturbelassen verarbeitet, in Tönen von Beige über Kamel bis Dunkelbraun; wird sie gefärbt, wählt man dunkle, warme Farben, die mit dem bernsteinfarbenen Grund harmonieren, und verwendet Säurefarbstoffe wie bei den anderen Proteinfasern.
Pflege
Sie verlangt eine leichte Hand. Von Hand in kaltem Wasser mit mildem Waschmittel waschen, ohne zu reiben oder auszuwringen, und liegend fern von Wärmequellen trocknen. Wie alle feinen Tierfasern bildet sie etwas Flaum, die eigentliche Gefahr ist aber das Verfilzen: Wärme, Feuchtigkeit und Bewegung zusammen lassen sie schnell und unumkehrbar verfilzen.
Lebensende
Als natürliche Proteinfaser ist sie am Ende ihrer Lebensdauer biologisch abbaubar und kompostierbar, sofern sie nicht mit Synthetikfasern gemischt ist. Sie eignet sich für mechanisches Recycling zusammen mit anderen Edelfasern, und bei ihrem Wert lohnt es sich, Stücke zu reparieren und zu stopfen, bevor man sie ausmustert.
Woran man sie erkennt
| Griff | Weich, trocken und samtig, warm in der Hand und überraschend leicht; wärmer und weniger glatt als Kaschmir, mit einem etwas volleren Griff. |
|---|---|
| Aussehen | Warmer, natürlicher Karamellton, matt, mit wenig Glanz und einem leichten, weichen Flaum an der Oberfläche; die Kräuselung ist weniger ausgeprägt als bei Wolle. |
| Verhalten | Isoliert hervorragend und wiegt sehr wenig, fällt weich, aber ohne große Geschmeidigkeit, findet maßvoll in Form zurück und bildet mit dem Tragen etwas Flaum. |
| Brennprobe | Protein-Signatur wie bei Wolle: brennt langsam, erlischt von selbst, riecht nach verbranntem Haar oder Horn und hinterlässt ein schwarzes, bröseliges Kügelchen. |
| Proben zu Hause | Brennprobe: langsame Flamme, erlischt von selbst, bröselige Asche und Geruch nach verbranntem Haar · Nassdehnung: Die Proteinfaser wird feucht schwächer, Pflanzenfasern nicht · Naturfarbe: Das gleichmäßige warme Karamell ist ein Hinweis, aber kein Beweis |
| Verwechselbar mit | Kaschmir, im Griff sehr ähnlich: Kamelhaar wärmt etwas mehr und hat einen typisch wärmeren Farbton · Feine, kamelfarben gefärbte Wolle: in der Flamme nicht zu unterscheiden, zur Trennung braucht es andere Mittel · Alpaka, eine weitere warme, matte Tierfaser in Naturtönen |
| Nur im Labor | Kamelhaar sicher von Kaschmir und anderen Edelfasern zu unterscheiden und seine Feinheit in Mikron zu messen, erfordert die Mikroskopie im Labor (ISO 17751). |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Mittel | Forschung |
| Ausleiern | Mittel | Forschung |
| Flaum | Mittel | Forschung |
| Filzneigung | Hoch | Forschung |
| Feinheit (µm) | 16–22 | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 14,0 | Forschung |
| typisches Einlaufen (%) | 0–10 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | 25–40 | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Geeignet für
warme, leichte Strickware · weiche Oberbekleidung · Tücher und Stolen · Naturtöne ohne Färbung · hautnah getragene Stücke dank der Weichheit
Weniger geeignet für
helle, leuchtende Farben (das natürliche Pigment dämpft sie) · oft oder maschinell gewaschene Stücke · Rippen, die lange zurückfedern sollen · Beanspruchung durch starke Reibung