Anmelden Auf die WartelisteWarteliste

Fasern · Pflanzenfasern

Bananenfaser

Eine glänzende, seidenähnliche Pflanzenfaser mit schönem Schimmer und kühlem Griff. Sie hat sehr wenig Elastizität: Sie gibt fließenden Sommerstücken Glanz und Leichtigkeit, weniger Rippen und Bündchen, die in Form zurückfinden sollen.

Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

banana Musa (Bananenstaude; die Textilfasern stammen von der Obstbanane, Musa acuminata und Musa balbisiana, und von ihrer faserreichen Verwandten Musa textilis) IndienNepalPhilippinenSüdostasienOstafrika
Bananenstaude
Bananenstaude

Geschichte

Die Banane wird seit Jahrtausenden in Südasien und Südostasien angebaut, wo die Stängelfasern seit alter Zeit versponnen und verwebt werden: Japan gewinnt daraus seit Jahrhunderten die Kijoka-Bashofu-Stoffe aus Okinawa, während auf den Philippinen die faserige Verwandte den Abaka liefert, historisch als „Manilahanf“ für Tauwerk und Segel bekannt. Heute ist die Bananenfaser als Recyclingmaterial wieder gefragt, weil sie aus dem Scheinstamm stammt, den die Pflanze nach der Fruchternte zurücklässt.

Wie das Garn entsteht

Sie wird aus den Blattscheiden des Scheinstamms gewonnen, des Teils, der sonst als landwirtschaftlicher Abfall übrig bliebe. Die Scheiden werden dekortiziert und die Faserbündel getrennt, gewaschen und getrocknet: Die äußeren sind gröber und rustikaler, geeignet für Tauwerk und strukturierte Stoffe, die inneren fein und seidig, geeignet für leichte Strickware. Die Faser wird dann gekämmt und versponnen, oft gemischt mit Baumwolle oder Seide, um den Griff weicher zu machen und ihr mehr Zusammenhalt zu geben.

Warum sie geschätzt wird

Sie verbindet seidigen Glanz und Leichtigkeit mit einer Herkunft aus Reststoffen: Sie entsteht aus einem Agrarabfall und braucht keinen neuen Anbau. Sie gibt Kleidungsstücken einen lebendigen Schimmer, einen kühlen, trockenen Griff und eine sehr gute Feuchtigkeitsaufnahme, ideal für den Sommer. Sie ist zugfest und verleiht Garnen einen fließenden Fall, den Wolle nicht bieten kann.

Färben

Gut, wie bei allen Cellulosefasern: Sie wird mit Direkt- und Reaktivfarbstoffen gefärbt, die sich fest und gleichmäßig an die Cellulose binden. Der natürliche Glanz hebt die Farben hervor und macht sie leuchtend und tief, während der Rohton zu einem warmen Elfenbein neigt, das manche lieber ungefärbt lassen.

Pflege

Sie will sanft behandelt werden: Handwäsche oder Schonprogramm, kaltes Wasser und Neutralwaschmittel, ohne Auswringen, damit die nassen Fasern nicht brechen. Wie alle Cellulosefasern knittert sie, deshalb liegend trocknen und bei mittlerer Temperatur bügeln, am besten mit einem feuchten Tuch. Sie verfilzt nicht und bildet kaum Fusseln an der Oberfläche.

Lebensende

Sie ist reine Cellulose und daher am Ende ihrer Lebensdauer biologisch abbaubar und kompostierbar, sofern sie nicht mit Synthetikfasern gemischt ist. Da sie bereits ein Nebenprodukt der Bananenernte ist, ist ihr Einsatz an sich eine Form von Upcycling; mechanisch lässt sie sich zusammen mit anderen Pflanzenfasern recyceln.

Woran man sie erkennt

GriffKühl, trocken und glatt in der Hand, mit einer Glätte, die an Seide herankommt. Nicht warm wie Wolle und ohne jede Federwirkung.
AussehenGlänzend, mit ausgeprägtem Seidenschimmer und ohne Flaum oder Fusseln. Der Faden wirkt kompakt und gleichmäßig, ungefärbt in einem rohen elfenbein-goldenen Ton.
VerhaltenFällt fließend und schwer, findet nach dem Dehnen schlecht in Form zurück und knittert wie Leinen und Baumwolle; hält wenig Wärme.
BrennprobeCellulose-Signatur: brennt schnell mit lebhafter Flamme, riecht nach verbranntem Papier oder Laub, hinterlässt leichte, graue, bröselige Asche ohne harte Kügelchen.
Proben zu HauseBrennprobe: schnelle Flamme, Geruch nach verbranntem Papier, bröselige Asche · Nassdehnung: Nass hält sie dem Zug stand, anders als Wolle · Elastizitätsprobe: dehnen und loslassen, sie bleibt gelängt und federt nicht zurück
Verwechselbar mitSeide: ähnlicher Griff und Glanz, aber Seide riecht in der Flamme nach verbranntem Haar und hinterlässt ein bröseliges Kügelchen · Leinen und andere glänzende Pflanzenfasern (Ramie): dieselbe Cellulose-Signatur in der Flamme, von Hand schwer zu unterscheiden · Viskose und andere glänzende regenerierte Cellulosen, die denselben Schimmer nachahmen
Nur im LaborDie Bananenfaser sicher von anderen natürlichen Cellulosefasern (Leinen, Ramie, Hanf) zu unterscheiden und ihre Struktur zu erkennen, erfordert die Mikroskopie im Labor (ISO 20706) und Zusammensetzungsprüfungen (ISO 1833).

Physikalische Daten

EigenschaftWertQuelle
elastische ErholungKeineForschung
AusleiernMittel (ähnlich wie Seide)Forschung
FlaumKeineForschung
FilzneigungKeineForschung
Feinheit (µm)12–30Forschung
Feuchtigkeitsaufnahme (%)13,0Forschung
typisches Einlaufen (%)0–8Schätzung
Stapellänge (mm)—Forschung

gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität

Geeignet für

fließende, leichte Sommerstücke · Tops und Tücher mit schönem Fall · glänzende Details mit seidigem Schimmer · Mischungen mit Baumwolle oder Seide

Weniger geeignet für

elastische Strickware · Rippen und Bündchen, die in Form zurückfinden sollen · Stücke, die Wärme und Rückstellvermögen brauchen