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Fasern · Regeneratfasern

Bambus (Naturfaser/Viskose)

Das Garn für den Fall: sehr weich, glänzend und kühl auf der Haut, fällt wie eine Flüssigkeit und gleitet durch die Hände. Für diese Geschmeidigkeit verzichtet es fast ganz auf Halt und Rückstellvermögen, man wählt es also für den Fall, nie für die Struktur.

Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

viscose Bambusoideae (Bambusrohr, oft Moso - Phyllostachys edulis) ChinaIndienSüdostasien
Bambus
Bambus

Geschichte

Bambus ist in Asien eine alte Textilfaser; dort wurde das Rohr von Hand zerfasert, für Seile und grobe Stoffe. Das weiche, glänzende Garn, das wir heute in Knäueln finden, ist jedoch eine junge und ganz andere Geschichte: Es ist Viskose, also gelöste und regenerierte Bambuscellulose, ein Verfahren, das Anfang der 2000er-Jahre in China entwickelt wurde und sich von dort weltweit verbreitet hat. Deshalb deckt derselbe Handelsname zwei sehr verschiedene Materialien ab, und im Handel ist fast immer die regenerierte Variante gemeint.

Wie das Garn entsteht

Es gibt zwei Wege. Der mechanische, seltene, behandelt das Rohr wie eine Bastfaser: Der Stängel wird geröstet und gekämmt, um ein raues, leinenähnliches Garn zu gewinnen, das den Namen Naturbambus wirklich verdient. Der chemische, weitaus häufigere, verarbeitet den Bambus zu Zellstoff, löst die Cellulose und presst sie durch eine Spinndüse, um sie zu einem Filament zu regenerieren: Das ist in jeder Hinsicht eine Viskose, die anschließend zu Stapelfasern geschnitten und versponnen wird. Der seidige, glänzende Griff entsteht in diesem zweiten Schritt, nicht durch die Pflanze selbst.

Warum sie geschätzt wird

Es bietet einen seltenen Griff: kühl, glatt und mit einem seidigen Glanz, den nur wenige pflanzliche Garne erreichen. Es nimmt Feuchtigkeit gut auf und bleibt in Sommerstücken angenehm auf der Haut. Seine auffälligste Gabe ist der Fall: Es fällt senkrecht, schwer und fließend und bildet weiche, lebendige Falten. Man sollte aber wissen, dass die für das rohe Rohr gerühmten antibakteriellen und geruchshemmenden Eigenschaften bei der Regenerierung größtenteils verloren gehen: Von der Pflanze bleibt vor allem die Cellulose.

Färben

Hervorragend. Als Cellulose bindet es Reaktiv- und Direktfarbstoffe mit hoher Affinität und Ausbeute, und die glänzende Oberfläche bringt die Farben zur Geltung, mit tiefen, leuchtenden Tönen. Gleichmäßige Färbungen gelingen leicht; die Waschechtheit ist mit Reaktivfarbstoffen gut, mit billigen Direktfarbstoffen etwas geringer.

Pflege

Es will sanft behandelt werden, denn wie alle regenerierten Cellulosen verliert es nass an Festigkeit. Wasch es von Hand oder im Schonprogramm, in kaltem Wasser, ohne zu verdrehen: Ein triefnasses Stück auszuwringen oder aufzuhängen lässt es sich bleibend längen. Trockne es liegend und bring es mit den Händen in Form. Es fusselt kaum und verfilzt nicht, knittert aber leicht und gibt vor allem unter dem eigenen Gewicht nach.

Lebensende

Das fertige Produkt ist reine Cellulose und damit biologisch abbaubar und kompostierbar. Der Haken liegt weiter vorn: Die Umwandlung in Viskose verwendet aggressive Lösungsmittel wie Schwefelkohlenstoff, und nur Anlagen mit geschlossenem Kreislauf begrenzen die Belastung. Zertifizierter Zellstoff und rückverfolgbare Verfahren machen einen echten Unterschied; Lyocell aus Bambus, mit zurückgewonnenem Lösungsmittel, ist die sauberere Alternative.

Woran man sie erkennt

GriffKühl, bei der ersten Berührung fast kalt, glatt und rutschig. Der Faden liegt schwer in der Hand und rinnt durch die Finger, ohne jede Elastizität unter Zug.
AussehenAusgeprägt glänzend, mit seidigem Schimmer. Das Gestrick fällt senkrecht und zeigt fließende Falten; es bildet keinerlei Flaum oder Fusseln.
VerhaltenFällt sehr stark und findet nach dem Dehnen nicht in Form zurück: Es längt sich unter dem eigenen Gewicht und behält die Verformung. Knittert leicht und wird, wie alle regenerierten Cellulosen, im nassen Zustand deutlich schwächer.
BrennprobeCellulose-Signatur: brennt schnell mit lebhafter Flamme, riecht nach verbranntem Papier oder Laub, hinterlässt leichte, graue, bröselige Asche ohne geschmolzene Kügelchen.
Proben zu HauseBrennprobe: schnelle Flamme, Geruch nach verbranntem Papier, graue, bröselige Asche · Nassdehnung: feucht verliert es viel Festigkeit, ein Zeichen regenerierter Cellulosefasern · Fallprobe: aufgehängt fällt es senkrecht und bleibt gelängt, es federt nicht zurück
Verwechselbar mitViskose aus anderen Rohstoffen (Buche, Eukalyptus): chemisch dasselbe, von Hand und in der Flamme nicht zu unterscheiden · Modal und Lyocell: dieselbe Familie regenerierter Cellulose, Griff und Verhalten sehr ähnlich · Mercerisierte Baumwolle: ebenfalls glänzend, aber trockener im Griff und nass elastischer
Nur im LaborBambus von anderen Viskosen und regenerierten Cellulosen zu unterscheiden ist von Hand praktisch unmöglich und erfordert das Labor; die Zusammensetzung wird chemisch geprüft (ISO 1833).

Physikalische Daten

EigenschaftWertQuelle
elastische ErholungNiedrigForschung
AusleiernExtrem (sehr fließend und rutschig)Forschung
FlaumKeineForschung
FilzneigungKeineForschung
Feinheit (µm)11–14Schätzung
Feuchtigkeitsaufnahme (%)13,0Forschung
typisches Einlaufen (%)3–10Schätzung
Stapellänge (mm)32–51Forschung

gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität

Geeignet für

fließender Fall und Stücke, die fallen sollen · Sommertops und -pullis auf der Haut · Tücher und Stolen mit schönem Fall · Mischungen mit elastischen oder formgebenden Fasern, die ihm Halt geben

Weniger geeignet für

Rippen und Bündchen, die halten sollen · strukturierte, kantige Stücke · Stücke, die ohne Stütze ihre Form halten sollen · Strickware, die Gewicht oder Zug aushalten muss

Zertifizierungen

OEKO-TEXFSCGRS