Fasern · Synthesefasern
Aramid (Kevlar / Nomex)
Die Panzerfaser: äußerst zugfest und flammhemmend, sie schmilzt nicht und brennt nicht. Sie ist technisch, für Schutz und Verstärkung gedacht, steif und alles andere als weich: nicht für gewöhnliche Strickstücke, sondern für Spezialanwendungen.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Sie entsteht in den Laboren von DuPont: Das Meta-Aramid Nomex kommt in den Sechzigerjahren, das Para-Aramid Kevlar wird 1965 von Stephanie Kwolek patentiert. Zur Familie kommen europäische und japanische Entsprechungen wie Twaron und Technora hinzu, die vor allem in den Vereinigten Staaten, den Niederlanden und Japan hergestellt werden. Ihr Feld ist nicht die Mode, sondern schusssichere Westen, Feuerwehranzüge, Schnittschutzhandschuhe, Kabel und Verbundwerkstoffe.
Wie das Garn entsteht
Sie ist ein durch Extrusion gewonnenes Endlosfilament: Das Polymer wird gelöst und durch eine Spinndüse in eine saure Lösung gesponnen, dann koaguliert und verstreckt. Beim Para-Aramid richten sich die Molekülketten fast perfekt entlang der Faserachse aus, und genau diese Ordnung verleiht ihr die außergewöhnliche Steifigkeit und Zähigkeit. Es gibt sie als Endlosfilament, aber auch zu Stapelfasern geschnitten für Mischgarne und technische Filze.
Warum sie geschätzt wird
Bei gleichem Gewicht ist sie zäher als Stahl und hält sehr hohen Temperaturen stand, ohne zu schmelzen: Sie ist von Natur aus flammhemmend, nährt die Flamme nicht und erlischt von selbst. In Strickware und technischen Textilien wird sie dort eingesetzt, wo Schnitt-, Reiß- und Hitzefestigkeit zählen, nicht Weichheit oder Tragekomfort auf der Haut.
Färben
Schwer zu färben: Die sehr kompakte, kristalline Struktur lässt Farbstoffe kaum eindringen, und das Para-Aramid hat von sich aus eine charakteristische Goldfarbe. Meist wird es in seiner natürlichen Farbe verwendet oder spinngefärbt, indem das Pigment vor der Extrusion zugegeben wird. Das Goldgelb des Kevlar und das Elfenbeinweiß des Nomex sind praktisch ihre Erkennungsfarben.
Pflege
Sie fürchtet weder Hitze noch gängige Lösungsmittel, hat aber zwei klare Feinde: UV-Strahlung, die sie bei längerer Einwirkung schwächt, sowie starke Säuren und Chloride. Deshalb vor direktem Licht geschützt aufbewahren. Sie verfilzt nicht und pillt kaum, weil sie glatt und ohne Eigenelastizität ist.
Lebensende
Sie ist nicht biologisch abbaubar: ein sehr stabiles synthetisches Polymer, das lange in der Umwelt verbleibt. Recycling ist möglich, aber eine Nische, meist als gemahlene Verstärkung in Verbundwerkstoffen und Reibbelägen; die Rückgewinnung sauberer Fasern aus gebrauchter Kleidung und Kabeln bleibt schwierig und wenig verbreitet.
Woran man sie erkennt
| Griff | Steif, trocken und etwas rutschig, kühl in der Hand wie Synthetikfasern. Ohne Eigenelastizität und biegesteif: Der Faden bleibt lieber gerade, als der Hand zu folgen. |
|---|---|
| Aussehen | Das Para-Aramid hat eine charakteristische Goldfarbe mit leichtem Glanz, das Meta-Aramid ist elfenbeinweiß und matter. Die Faser ist glatt, ohne Kräuselung und ohne Flaum. |
| Verhalten | Findet nicht in Form zurück, weil sie nicht elastisch ist, gibt kaum nach, weil sie äußerst steif ist, knittert nicht im weichen Sinn des Wortes und hält sehr hohe Temperaturen aus, ohne sich zu verformen. |
| Brennprobe | Unverwechselbare technische Signatur: Sie schmilzt nicht und nährt die Flamme nicht, verkohlt und erlischt von selbst, hinterlässt einen schwarzen, spröden Rückstand und riecht schwach und stechend. Diese Probe unterscheidet sie von gewöhnlichen Synthetikfasern, die zu einem Kügelchen schmelzen. |
| Proben zu Hause | Brennprobe: schmilzt nicht zu einem Tröpfchen, verkohlt und erlischt von selbst · Steifheitsprobe: Der Faden widersteht dem Knicken und hat kein elastisches Rückstellvermögen · Farbprobe: Das Para-Aramid hat den typischen natürlichen Goldton |
| Verwechselbar mit | Polyester und Nylon, die sie in technischen Textilien nachahmen: aber in der Flamme schmelzen sie zu einem harten Kügelchen und vertragen keine Hitze · Glasfaser in Verstärkungen: aber Glas verkohlt in der Flamme nicht und bleibt steif und unverändert |
| Nur im Labor | Para- und Meta-Aramid sicher zu unterscheiden und die genaue Mischung eines technischen Textils zu bestimmen, erfordert eine Laboranalyse (Infrarotspektroskopie und Prüfungen nach ISO 1833). |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Keine | Forschung |
| Ausleiern | Niedrig (äußerst steif) | Forschung |
| Flaum | Keine | Forschung |
| Filzneigung | Keine | Forschung |
| Feinheit (µm) | 10–15 | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 4.5–7.0 | Forschung |
| typisches Einlaufen (%) | 0–1 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | — | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Geeignet für
Verstärkungen und Schnittschutzeinsätze · technische und schützende Textilien · flammhemmende Arbeitskleidung · Mischgarne, wo Zähigkeit gefragt ist
Weniger geeignet für
weiche Strickware mit Hautkontakt · elastische Stücke und Rippen, die in Form zurückfinden sollen · fließender Fall · erstes Projekt für Anfänger