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Fasern · Tierfasern

Angora (Kaninchen)

Das hohle Haar des Angorakaninchens: unglaublich weich, sehr warm und leicht, mit einem wolkigen Flaum, den keine andere Faser bietet. Dafür haart es und verfilzt äußerst leicht, deshalb zeigt es sich in Mischungen von seiner besten Seite, weniger pur.

Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

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Angorakaninchen
Angorakaninchen

Geschichte

Der Name kommt von Ankara (dem alten Angora), woher auch das Mohair der Ziege stammt: eine Namensgleichheit, die bis heute verwirrt, aber hier geht es um das Kaninchen, nicht um die Ziege. In Europa seit dem 18. Jahrhundert als Luxustier gehalten, wird es heute vor allem in China erzeugt, während Frankreich eine Tradition hochwertiger Zucht bewahrt. Beim Tierschutz ist die Faser heikel: In sauberen Lieferketten wird das Haar durch Bürsten oder regelmäßige Schur gewonnen, nie durch Rupfen, und genau dieses Kriterium unterscheidet ein wirklich ethisches Stück.

Wie das Garn entsteht

Das Haar wird gewonnen, indem man das Kaninchen alle paar Monate bürstet oder schert, wenn der Fellwechsel es erlaubt. Da die Flocke glatt, rutschig und ohne Kräuselung ist, wird sie fast immer mit Wolle oder Nylon gemischt versponnen, die ihr Zusammenhalt und Festigkeit geben: Allein würde sie dazu neigen, sich aus dem Faden zu lösen und Haare zu verlieren. Der hohle Querschnitt der Faser macht sie bei gleichem Volumen so leicht und warm.

Warum sie geschätzt wird

Im Verhältnis von Wärme zu Gewicht ist sie unübertroffen: Der Hohlraum im Haar schließt Luft ein und isoliert wie eine Daunendecke, bei minimalem Gewicht. Dazu kommen eine seidige Weichheit und vor allem der Flaum, jene duftige Wolke, die das Stück umhüllt und alle Konturen weicher macht. Schon kleine Anteile in einer Mischung, meist zwischen zehn und dreißig Prozent, verleihen einem Garn Ausstrahlung, Wärme und einen kostbaren Griff.

Färben

Hervorragend, wie bei allen Proteinfasern: Das Keratin bindet Säurefarbstoffe gut, mit vollen, echten Farbtönen. Der Flaum verändert die Farbwirkung auf eigene Weise, er streut sie zu einem weichen Schleier, der die Konturen dämpft und den Stücken die typisch verschwommene, leuchtende Wirkung von Angora gibt.

Pflege

Eine äußerst empfindliche Faser. Von Hand in kaltem Wasser mit Neutralwaschmittel waschen, ohne zu reiben oder auszuwringen, und liegend trocknen: Wärme, Feuchtigkeit und Reibung lassen sie im Nu verfilzen, die Filzneigung ist die höchste unter allen Tierfasern. Das Haaren ist bei neuen Stücken am stärksten und lässt mit dem Tragen nach; ein kurzer Aufenthalt im Gefrierfach hilft, es einzudämmen. Am besten gefaltet und luftig aufbewahren, fern von Feuchtigkeit.

Lebensende

Als reines Keratinprotein ist sie am Ende ihrer Lebensdauer vollständig biologisch abbaubar und kompostierbar. Mechanisches Recycling ist dagegen schwierig: Das Haar ist zu kurz und zu glatt, um zu neuem Garn aufbereitet zu werden, und in Mischungen bleibt es an die anderen Materialien gebunden.

Woran man sie erkennt

GriffÄußerst weich, duftig und überraschend warm, mit einer Leichtigkeit, die zum Volumen in keinem Verhältnis zu stehen scheint: Man spürt mehr Luft als Faser zwischen den Fingern.
AussehenSehr langer, flauschiger Flaum, der die Konturen des Stücks verwischt, mit leichtem seidigem Glanz. Die Faser der Wolke: Das Gestrick scheint von einem weichen Schleier umgeben, ohne Spur ausgeprägter Kräuselung.
VerhaltenFast kein elastisches Rückstellvermögen, deshalb federn die Maschen nicht zurück, und Rippen und Bündchen weiten sich gern. Sehr hohe Wärme, verschwindend geringes Gewicht und ein ständiges Haaren, vor allem in den ersten Tragezeiten.
BrennprobeProtein-Signatur: Sie brennt langsam und erlischt von selbst, riecht nach verbranntem Haar und hinterlässt ein schwarzes, bröseliges Kügelchen, das zwischen den Fingern zerfällt.
Proben zu HauseDeutlicher Flaum und starkes Haaren: Sie hinterlässt überall Härchen, viel mehr als Mohair · Leichtigkeit im Missverhältnis zum Volumen: Sie wiegt fast nichts, so bauschig sie ist · Brennprobe: langsame Flamme, erlischt von selbst, bröselige Asche und Geruch nach verbranntem Haar
Verwechselbar mitMohair (von der Ziege): Angora ist weicher, haart viel stärker und hat weder Locken noch Strähnen, während Mohair glänzender und strukturierter ist · Andere sehr voluminöse Haarfasern: aber keine erreicht ihren Flaum zusammen mit der extremen Leichtigkeit
Nur im LaborFür Gewissheit braucht es die Mikroskopie (ISO 17751): Unter dem Mikroskop zeigt das Angorahaar einen hohlen Querschnitt mit charakteristischem Mark, und so lässt es sich zweifelsfrei von anderen Tierfasern unterscheiden.

Physikalische Daten

EigenschaftWertQuelle
elastische ErholungNiedrigForschung
AusleiernNiedrigForschung
FlaumExtremForschung
FilzneigungSehr hochForschung
Feinheit (µm)11–15Forschung
Feuchtigkeitsaufnahme (%)15,0Forschung
typisches Einlaufen (%)0–8Schätzung
Stapellänge (mm)40–120Forschung

gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität

Geeignet für

Mischungen für Flaum und Wärme · weiche Accessoires wie Schals und Mützen · federleichte, sehr warme Stücke · duftiger Wolkeneffekt

Weniger geeignet für

Stücke mit sauber zu kettelnden Maschen (der Flaum verdeckt sie) · Stücke mit viel Kontakt und Reibung (Haaren) · Rippen und Bündchen, die in Form zurückfinden sollen · einfarbige Arbeiten mit klarem Maschenbild