Fasern · Pflanzenfasern
Abaka / Manilahanf
Die Hartfaser schlechthin: steif, zäh und mit einer fast legendären Beständigkeit gegen Wasser. Sie ist kein Garn für Kleidungsstücke, sondern das Material, das eine Tasche, einen Korb oder einen Gegenstand trägt, der von allein stehen soll.
Aus dem Italienischen übersetzt. Noch nicht von einer Strickerin oder einem Stricker mit deutscher Muttersprache gegengelesen.

Geschichte
Abaka wird aus einer mit der Banane verwandten Pflanze gewonnen und verdankt ihrer Heimat, den Philippinen, auch den Handelsnamen, unter dem sie seit Jahrhunderten bekannt ist: Manilahanf, nach dem Hafen, von dem ihre Ballen verschifft wurden. Bevor sie zur Handwerksfaser wurde, war sie vor allem eine Faser der Seefahrt: Über Generationen lieferte sie Tauwerk und Festmacherleinen für die Schiffe der halben Welt, weil sie im Salzwasser nicht verrottete. Heute wird sie außer auf den Philippinen auch in Ecuador und in Mittelamerika angebaut.
Wie das Garn entsteht
Sie wird weder geschoren noch als Flocke gesät: Man schneidet den Scheinstamm der Pflanze und löst die Blattscheiden ab, aus denen die Faserbänder gewonnen werden. Der Streifen wird von Hand oder maschinell abgeschabt, um ihn vom Fruchtfleisch zu befreien (das Entfasern oder Dekortizieren), dann gewaschen und in der Sonne getrocknet. Übrig bleiben lange, glänzende Bänder, die nach Farbe und Feinheit sortiert und je nach Verwendung versponnen oder geflochten werden.
Warum sie geschätzt wird
Sie gehört zu den stärksten und widerstandsfähigsten Naturfasern überhaupt, und das macht sie gerade dort wertvoll, wo weiche Maschenware nicht hinkommt: bei Accessoires und Wohnobjekten, die Gewicht tragen und eine Form halten müssen. Sie behält ihre Struktur, ohne nachzugeben, widersteht Wasser und Abrieb und verleiht dem fertigen Stück einen trockenen Glanz und einen ausgeprägten Charakter.
Färben
Als Cellulosefaser lässt sie sich wie Baumwolle und Leinen mit Direkt- und Reaktivfarbstoffen färben, doch die glatte, wachsartige Oberfläche der Faser hält die Farbe schlechter: Die Töne bleiben eher zart und natürlich. Deshalb wird sie oft in ihrem warmen Elfenbein belassen oder in erdige Töne gefärbt, in denen ihr Glanz am besten zur Geltung kommt.
Pflege
Sie braucht die Pflege einer steifen Faser, nicht die einer Strickware. Man reinigt sie trocken oder mit einem feuchten Tuch und lässt sie an der Luft trocknen, fern von direkten Wärmequellen, die sie noch steifer machen würden. Nicht auswringen und nicht in die Waschmaschine geben: Ein formgebendes Objekt wird abgestaubt und gelüftet, nicht wie ein Kleidungsstück gewaschen.
Lebensende
Sie ist zu hundert Prozent reine Pflanzenfaser: am Ende ihrer Lebensdauer biologisch abbaubar und kompostierbar, sofern sie nicht mit synthetischen Materialien beschichtet oder kaschiert wurde. Ihre Robustheit macht sie außerdem leicht wiederverwendbar, und dieselbe Faserqualität versorgt Branchen wie die Herstellung von Spezialpapieren und Teebeuteln.
Woran man sie erkennt
| Griff | Rau, trocken und ausgesprochen steif, kühl in der Hand wie alle Pflanzenfasern. Keine Faser, die streichelt: Man spürt die Struktur unter den Fingern. |
|---|---|
| Aussehen | Trockener Glanz, bei den besten Bändern fast seidig, mit einem warmen Elfenbein als Grundfarbe, das bei gröberen Qualitäten ins Bräunliche geht. Gerade Faser, ohne Kräuselung und ohne jeden Flaum. |
| Verhalten | Kein elastisches Rückstellvermögen: Was du knickst, bleibt geknickt, und genau das erlaubt ihr, eine Form zu halten. Sehr zugfest und wasserbeständig, neigt aber zum Brechen, wenn sie tausendmal an derselben Stelle geknickt wird. |
| Brennprobe | Cellulose-Signatur: Sie entzündet sich schnell mit lebhafter Flamme, riecht nach verbranntem Papier oder Holz, glüht nach und hinterlässt eine graue, leichte Asche. |
| Proben zu Hause | Brennprobe: schnelle Flamme, Geruch nach verbranntem Papier, graue, bröselige Asche · Steifheitsprobe: Ein geknicktes Band wird nicht wieder gerade · Wasserprobe: Nass hält sie dem Zug stand, statt nachzugeben |
| Verwechselbar mit | Sisal und andere Hartfasern für Tauwerk: Griff und Brennverhalten fast identisch · Raffia und Flechtfasern: aber Abaka glänzt stärker, ist länger und deutlich fester |
| Nur im Labor | Abaka sicher von anderen cellulosischen Hartfasern (Sisal, echter Hanf, Jute) zu unterscheiden, erfordert die Mikroskopie im Labor, denn für das Auge und in der Flamme verhalten sie sich nahezu gleich. |
Physikalische Daten
| Eigenschaft | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| elastische Erholung | Keine | Forschung |
| Ausleiern | Keine (strukturell) | Forschung |
| Flaum | Keine | Forschung |
| Filzneigung | Keine | Forschung |
| Feinheit (µm) | — | Forschung |
| Feuchtigkeitsaufnahme (%) | 14,0 | Forschung |
| typisches Einlaufen (%) | 0–3 | Schätzung |
| Stapellänge (mm) | 1000–3000 | Forschung |
gemessen = eine Messung mit Beleg · iso = eine Norm · Forschung = eine geprüfte Quelle · Schätzung = nur Plausibilität
Geeignet für
formstabile Taschen und Körbe · Hüte und strukturierte Accessoires · Gürtel und Henkel · Wohnaccessoires · Flechtarbeiten und steife Objekte
Weniger geeignet für
elastische Maschenware und Rippen · Kleidungsstücke mit Hautkontakt · weicher Fall · alles, was nach dem Dehnen in Form zurückfinden soll